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Nepal

Trekking-Tour

auf das Dach der Welt

Trekking-Tour  auf das Dach der Welt  

Von Yaks, Sherpas und faszinierenden Landschaftsschönheiten.

Eine Abenteuertour im Himalaya

Eng zusammengekauert hocke ich in der engen Twin Otter-Maschine. Der schwere Fotorucksack liegt auf meinen angezogenen Knien und reicht mir dabei bis fast ans Kinn.

Durch das kleine Bullauge des Spezial-Flugzeuges sehe ich Nima, meinen Sherpa, der auf meiner ganzen Trekking-Tour an meiner Seite war und den ich als Freund gewonnen hatte. 

Regungslos steht er da am Rande der Piste des gefährlichen Himalaya-Flughafens Lukla, der im Jahre 2008 nach dem Tod von Berglegende Edmund Hillary, dem Erstbesteiger des Mount Everest, benannt wurde. Gilt er doch hier in einer Höhe von 2866 Metern als gefährlichster Flughafen der Welt, weil nur spezielle Stol-Flieger – mit der Fähigkeit zur Kurzstart und Kurzlandung - auf seinem 457 Meter kurzen Bergrücken bei 12 Prozent Steigung anfliegen können. Dabei sind bereits einige Flugzeuge – zuletzt 2008 - hier in der Khumbu-Region am Berg zerschollen.

Ich sehe aus dem Bullauge, dass seine Augen traurig sind beim Abschied. Jetzt drehen die beiden Propeller auf, unser Vogel schaukelt und rattert, als wollte er zerbersten.

Tenzing-Hillary Airport Lukla Der kalte Schweiß tritt mir auf die Stirn, der Rückstart auf dieser Höllenpiste steht kurz bevor. Muss doch der Pilot seine Maschine auf vollen Schwung gebracht haben, um sie dann im richtigen Moment vor dem jähen, gut 600 Meter tief klaffenden Abgrund energisch hoch zu ziehen.

Nima, treuer Gefährte – viel habe ich Dir zu verdanken.

Himalaya-Gebirgszug  Während der Pilot nur Minuten später seine Maschine mit Bravur in den Himmel steigen lässt, wandert mein Blick ein letztes Mal vom grandiosen Himalaya-Bergmassiv tief hinunter zum Dudh Kosi, jenem hell gefärbtem Wildwasserfluss, der diese Region hier unterhalb des Mt. Everest entwässert und an dessen wilden Fluten ich so viel erlebt habe.

Jetzt schießen in Sekundenschnelle jene Bilder der vergangenen Tage an meinem inneren Auge vorbei, die Erlebnisse auf dieser Trekkingtour laufen wie ein Kurzfilm ab.

Sherpa Nima.Erst vor einer Woche bin ich genau an dieser Stelle hier oben von Kathmandu aus angekommen. Habe mich vorher in dieser quirligen Großstadt Kathmandu umgesehen. Dabei auf den kaputten und teils verdreckten Straßen mit seinem Linksverkehr einen Höllenkampf mit Fahrrad- Moped- und Autofahrern ausgefochten, während sich auf dem gleichen Pflaster Kühe gemütlich eingerichtet haben.

Dann kommt das erste Kennenlernen meines vorher gebuchten Sherpas Nima ins Gedächtnis. Gleich von Anfang an stimmte die Chemie zwischen uns. Nach einer genüsslichen Stärkung sind wir dann auch gleich zum Sagarmatha Nationalpark losmarschiert. Vorbei an barfüßigen Treibern, die ihre Yaks, diese Urviecher, mit Pfiffen, Stöcken und Steinwürfen auf diesem schmalen alten Handelsweg zusammen hielten. Vorbei auch an unzähligen Sherpas, die ihre gut 50 Kilogramm schwere Last auf dem Rücken mit weit nach vorn gebeugten Oberkörpern zum Wochenmarkt hoch hinauf nach Namche Bazar schleppen. Während die Dzos mit den langen Hörnern – eine Mischung zwischen Yak und Hochlandrind – unglaubliche Lasten transportieren, drehen wir an den vielen Gebetsmühlen am Wegesrand. „Das bringt Glück,“ erfahre ich von Nima. Und: „Wir werden es brauchen können.“ Wie recht er haben sollte.

Stupas, diese kleinen buddhistischen Tempelchen, schon sehr verfallen, scheinen uns Mut und Zuversicht zuzusprechen. Ihr schafft das schon...

SherpasAuf dem abenteuerlichen Pfad, der so alt ist wie Menschengedenken und hin zum Mount Everest führt, erreichen wir in Begleitung mit vielen weiteren Sherpas - die unseren Weg teilen - nach drei Tagen über Phakding und Namche Bazar unser erstes großes Ziel, Bazar Thame auf 3800 Metern Meereshöhe. Während wir in einfachen Lodges in den letzten Tagen genächtigt haben, schlagen wir hier in diesem Tal mit seinen Bergriesen unser Zelt auf. Besuchen kurz das Sherpa-Ausbildungszentrum der Organisation Öko Himal, einer österreichisch-nepalesischen Entwicklungszusammenarbeit im Himalaya, in dem Bergführer in Sicherheits- und Führungstechnik höher qualifiziert werden, wo aber auch Dorfentwicklungsprojekte und ein Kleinkraftwerk zum Ziel haben, die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung zu verbessern.

Nyingma Gompa Kloster ThameAm nächsten Morgen, noch vor Sonnenaufgang, führt mich Nima an der südlichen Seite des 5377 Meter hoch gelegenen Sumdurberges gute 200 Höhenmeter hinauf zum Nyingma Gompa Kloster, das sich an einem steil abfallenden Bergrücken schmiegt. Vorbei geht es an vielen bedeutungsvollen Zeichen.

Als wir ankommen, wird gerade das Muschelhorn geblasen, das eines der acht Glückssymbole des Buddhismus darstellt.

Nyingma Gompa Kloster Im Kloster nehmen wir, natürlich barfuß, inmitten von duftenden Räucherstäbchen auf einem Kissen Platz und lauschen entspannt dem monotonen Gesang der tibetischen Mönche. Der freundlichen Einladung zum salzigen Buttertee kann ich mich dabei nicht entziehen. Höflich sein, runter damit. Und: immer lächeln.

Auf dem Weg nach Khumjung kommen wir an dem Wasserkraftwerk der Organisation Öko Himal vorbei, die dieses Projekt initiiert und finanziert haben. Weiter gelangen wir über einen wunderbaren Höhenweg nach Syangpoche und weiter ins Khumjung-Tal am Fuße des Khumbi Yul Lha, dem heiligen Berg aller Sherpas. Während in einem Kloster des Dorfes der legendäre Yeti-Skalp aufgestellt ist, zieht es mich vielmehr in die große, von der Hillary Stiftung betriebene Schule und das berühmte Khunde Hospital, das erste von Sir Edmund Hillary initiierte Hospital für die Sherpa.

Himalaya-Gondel Wir steigen ab zur Imja-Kosi-Schlucht, überqueren den reißenden Fluss auf abenteuerliche Weise in einer aus Holz gebauten Kiste, die an einem Stahlseil geführt wird. Dann geht’s wieder einige Stunden langsam bergauf zum Tengpoche-Sattel. Dabei schmerzt jeder kalte Luftzug in den Lungen, und beim Verschnaufen spürt man das Herz zum Hals heraus klopfen.

Mount EverestZu lange schaue ich fasziniert auf den zum Greifen nahen Mount Everest, der neben Lhotse und Ama Dablam eingebettet ist. Dabei kann ich die Kamera kaum weg nehmen von diesem höchsten Berg der Welt, von dem ich so lange geträumt habe, ihn einmal zu Gesicht zu bekommen. Hier hole ich mir mit klatschnassem Rücken und der winddurchlässigen Fotoweste eine schwere Bronchitis. Lungenentzündung droht mir mal wieder. Und das in der kargen Wildnis. Zunehmend geschwächt und kurzatmig wollen auch die Beine nicht mehr. Was nun?

Das nur noch einige Tagesmärsche entfernte Basislager des Mt. Everest  mit seinen 5.350 Metern - ein historischer Platz, von dem fast alle Everest-Expeditionen starten – kann ich jetzt vergessen.

Namche BazarIch bin der Verzweifelung nahe, suche mit Nima eine Lösung. Und die bahnt sich gottlob an in der Übernachtung von der nahe gelegenen Ortschaft Namche Bazar. Zwei Tage Bettruhe verordne ich mir. Dabei kreisen meine Gedanken um das Erlebte. Auch um Bhaktapur, eine in den 1970er Jahren restaurierte, mittelalterliche ehemalige Königsstadt. die ich in einem Tagesausflug von Kathmandu aus besucht habe. Da wandele ich noch einmal in meinen Gedanken durch die als schönste Stadt des ganzen Landes geltenden Gassen. Vorbei an der höchsten Pagode Nepals, dem fünfgeschossigen Nyatapola. Schlendere durch das Töpferviertel hinüber zum Dattatreya-Platz. Die ehemaligen Priesterhäuser mit ihren kunstvoll geschnitzten Fensterrahmen aus braunschwarzem Salbaumholz werde ich nie vergessen.

BhaktapurVon Namche Bazar aus geht es nach diesen zwei Tagen Bettruhe tief hinunter zum Dudh Kosi-Fluss. Hier organisiert Nima in einer kleinen Siedlung für mich ein Pferd, das auf den Namen Dolpo hört. Auf Dolpos Rücken geht es dann sieben Stunden lang zurück nach Lukla. Wie eine Gämse bewältigt dabei Dolpo, am Führstrick gelenkt, die schwierigen Passagen. Derweil halten sich meine Hände vorn und hinten krampfhaft am ungewohnten Sattel fest. Auf diesem Weg ist es für mich nicht einfach, das Gleichgewicht zu halten. Dabei sind meine Augen wie hypnotisiert auf den Handtuch schmalen Pfad mit den gefährlichen Felspassagen gerichtet. Das tosende Wasser des Dudh Kosi weit unter uns zu meiner Linken an diesem Steilhang flößt mehr als nur Respekt ein. Für den blank gewischten nepalesischen Himmel mit der gewaltigsten Bergkette der Erde mit Gipfeln über die magische Grenze von 8000 Metern Höhe habe ich momentan überhaupt keinen Sinn.

Dudh Kosi-FlussUnd dann passiert es auch noch: auf einer dieser langen, schaukelnden Drahtseil-Hängebrücken hoch über dem reißenden Dudh Kosi bricht Dolpo, mein treues Pferd, mit seinem linken Vorderhuf zwischen den Brettern auf den Stahlseilen ein, stürzt und knickt mit dem rechten Vorderbein nach. Dabei drückt sich der Sattel schmerzhaft in meinen rechten Oberschenkel. Blitzschnell bewahren mich die festen Hände von Nima davor, dass ich über das seitliche Gitter in die Fluten stürze. Die Gebetsmühlen haben geholfen.

Geduldig wartet Dolpo darauf, dass man es aus seiner misslichen Lage befreit. Trotz einer kleinen Blessur trägt es seine verschreckte Fracht ohne Murren weiter vorwärts, über die Höhen und Tiefen des Himalaya.

Wenn ich nicht gerade an beängstigend steilen Felspassagen absteigen muss, kann ich mich jetzt wieder mehr dem Dach der Welt widmen. Weit hinauf blicke ich zu den Wohnstätten des Schnees und dem Thron der Götter.

StupaFantastische Anblicke und extreme Erfahrungen liegen hinter mir. Gefühle und Dankbarkeit kommen auf – für Mensch und Tier und für die Schönheiten hier. Und für die wohlwollenden Götter, die noch viel höher thronen als auf dem Dach der Welt.

Gerd Krauskopf

 

Infos:

Vorbereitung:

Fitness und Ausdauer sind gefragt. Also: Wandern, Radfahren, Laufen, Schwimmen vor Reise-Antritt.

Tägliche Gehzeiten im Himalaya: zwischen fünf und sieben Stunden.

 

Visum und Genehmigung:

Es besteht Visum-Pflicht und eine zusätzliche Genehmigung für den Sagarmatha Nationalpark.

Ausreichende Passbilder dafür nicht vergessen!

 

Nepalesische Konsulate und Botschaft Nepal in Deutschland:

http://www.konsulate.de/info/info_nepalesische_konsulate_in_deutschland.php

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