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Nepal

Fliegen am Sitz der Götter:

Himalaya-Rundflug mit Buddha Air

Himalaya-Bergkette

In Nepal nennt man ihn Sagarmatha – Stirn des Himmels. In Tibet heißt er seit Jahrhunderten Chomolungma – Mutter des Universums. In beiden Ländern glaubt man, dass er der Sitz der Götter ist. Den in der westlichen Welt bekannten Namen bekam er 1865 von der Königlich-Britischen Geographischen Gesellschaft zu Ehren von Sir George Everest, der 1841 im Auftrag der britischen Krone den indischen Subkontinent geographisch vermessen hatte. Die Rede ist hier also vom mit 8.848m höchsten Gipfel der Erde, dem mythenumwobenen Mt. Everest. 1953 von Sir Edmund Hillary und dem Sherpa Tenzing Norgay erstmals erfolgreich bestiegen, erreichten bis heute gut 2.500 Bergsteiger und Abenteurer aus aller Welt das Dach der Welt.

 Die meisten Nepal-Besucher jedoch bekommen den höchsten Berg der Welt gar nicht zu sehen, da man weder von der Hauptstadt Kathmandu noch von den Gipfeln des Himalaya-Vorgebirges aus einen Blick auf den Everest erhaschen kann. Nur, wer die Strapazen eines mehrtägigen Trekkings vom Ort Lukla aus ins Everest-Gebiet auf sich nimmt, wird bei günstigem Wetter mit atemberaubenden Aussichten belohnt. Eine deutlich bequemere und auch für ungeübte Bergsteiger geeignete Art, dem Everest nahe zu kommen, bietet da ein Panoramarundflug entlang des Himalaya-Hauptkammes.

Nepal, Kathmandu InlandsterminalEs ist morgens kurz vor 7 Uhr. Das kleine Inlandsterminal des Flughafens von Kathmandu summt geschäftig wie ein Bienenstock, als wir es nach passieren der ersten, bereits vor dem Gebäude gelegenen Sicherheitskontrolle betreten. Es ist Ende Februar, und die im März beginnende Hauptsaison für professionelle Expeditionen zu einigen der höchsten Gipfel der Welt wirft bereits ihre logistischen Schatten voraus. Überall vor den Check In-Schaltern im Terminal warten Aluminiumkisten mit Proviant, Sauerstoffflaschen, Zelten und allem, was sonst noch für Basislager und Hochcamps einer 8000er-Besteigung gebraucht wird, darauf, per Flugzeug und Helikopter so weit wie möglich den Berg hinauf geflogen zu werden. Dazwischen sind Sherpas und Flughafenmitarbeiter damit beschäftigt, jede dieser Kisten der entsprechenden Expedition zuzuordnen und für die Verladung vorzubereiten. Einige ausländische Gäste haben sich auch schon in die Menschenmenge gemischt. Die meisten sind an den großen Trekkingrucksäcken und der High Tech-Funktionsbekleidung sofort als Bergsteiger zu erkennen, der kleinere Teil so wie wir ist dagegen eher mit Fotoapparaten bewaffnet und ganz offensichtlich nicht für mehrwöchige Hochgebirgstouren ausgerüstet.

Trotzdem wollen auch wir heute früh hoch hinaus. Frühmorgens, wenn die Luft am klarsten und die Sicht am besten ist, schwärmen bei geeignetem Wetter die 19-sitzigen, zweimotorigen Beech 1900D der Airline mit dem wohlklingenden Namen Buddha Air von Kathmandu aus in Richtung Himalaya-Hauptkamm, um normalsterblichen Reisenden ohne tagelanges Klettern, ohne Sauerstoffmasken und ohne Übernachtungen in lebensfeindlichen und eisigen Höhen einen Blick auf den höchsten Gipfel der Erde, den Mt. Everest, zu ermöglichen. Buddha Air ist eine private nepalesische Fluggesellschaft, die inzwischen auf über 15 Jahre Flugbetrieb in einer Gegend zurückblicken kann, die aufgrund hoher Berge, rasend schnell wechselnder Wetterverhältnisse mit teils dichtem Nebel, starker Winden und tropisch-heftiger Niederschläge als eine der schwierigsten und gefahrenreichsten Flugregionen der Welt gilt.

Nepal, Kathmandu FlughafenvorfeldNach einer halben Stunde Verzögerung schließlich hat sich auch an diesem Morgen der Bodennebel in Kathmandu so weit gelichtet, dass unser „Everest Experience Mountain Flight“ zum Boarding aufgerufen wird. Ein ziemlich alter, klappriger Bus bringt uns über das Vorfeld hinaus zu der Stelle, an der eine ganze Armada an kleinen, aber im Gegensatz zum Flughafenbus modernen und gepflegten Propellermaschinen auf ihre Gäste warten. Freundlich werden wir beim Einsteigen von Stewardess Sarita begrüßt. An Bord gibt es keine schlechten Nepal, Buddha Air Beech 1900D Plätze, denn jeder der 18 Passagiere auf diesem Flug hat seinen eigenen Fensterplatz. Kaum haben wir es uns gemütlich gemacht, hat Sarita auch schon die Türe der Maschine geschlossen und aus dem offenen Cockpit winken lächelnd Copilot Shikhar und Captain Ravi in die Passagierkabine. Während Sarita jedem Gast eine kleine Landkarte mit dem Gipfelpanorama des Himalaya-Hauptkammes in die Hand drückt, erwachen mit einem sonoren Summen die beiden Pratt & Whitney Turboproptriebwerke zum Leben. Der Weg zur Startbahn ist kurz, und nach ein paar Hundert Metern Rollstrecke heben die beiden starken Motoren die kleine Maschine federleicht in die Luft.

Schon die Abflugkurve, die tief über das schier undurchschaubare Gewirr aus kleinen Häusern, Strassen und Wegen führt, das so charakteristisch ist für Nepals Hauptstadt Kathmandu, ist ein erstes Highlight des Fluges. Von Bergen ist aber noch immer weit und breit nichts zu sehen, denn noch fliegen wir innerhalb der gelblich-grauen Dunstglocke, die an so vielen Tagen im Jahr über dem Kathmandutal liegt. Nur wenige Flugminuten später aber ist es, als ob von einer Mt Everest CockpitblickSekunde auf die andere wie von einer unsichtbaren Hand der Schleier weggezogen würde, der sich bisher über unseren Flieger gelegt zu haben schien. Mit einem Schlag wird atemberaubend der glasklare Blick frei auf eine gewaltige Kette schneebedeckter Bergriesen, die schier endlos von einem Ende des Horizonts zum anderen zu reichen scheint – der Himalaya, Bergmassiv so vieler Träume und Mythen, aber auch Dramen und Tragödien.

Gut 20 Minuten führt der Flug dann in einer Höhe von rund 7.000 Metern Richtung Osten, und die schnee- und eisbedeckten Himalaya-Gipfel sind bald zum greifen nah. Dass die beiden erfahrenen Piloten vorne im Cockpit trotzdem respektvollen Abstand zu den steilen Felswänden und schroffen Bergspitzen mit ihren teils unberechenbaren Fallwinden halten, versteht sich von selbst, denn schließlich sollen die Fluggäste den atemberaubenden Blick über die Bergriesen ja sorgenfrei genießen können. Bald darauf bestätigt ein kurzer Funkverkehr mit der Wetterstation in Namche Bazar, einem kleinen auf rund 3.500m Höhe gelegenen Dorf unterhalb des Mt. Himalaya-Bergkette Everest-Nationalparks, dass dank klarem Wetter das Ziel unseres Rundfluges bald in Sicht kommen müsste. Sanft legt Captain Ravi die Beech 1900 in eine Linkskurve, und begleitet von vielstimmigen „Ahs“ und „Ohs“ taucht auf der rechten Seite des Flugzeuges der höchste Gipfel der Erde, der Mt. Everest, in den Flugzeugfenstern auf. Die charakteristische Gipfelpyramide des 8.848m hohen Bergriesen ist auch heute wie an so vielen Tagen im Jahr von extrem starkem Wind umtost und eine dünne weiße Wolke hängt wie ein Brautschleier über der Ostflanke des Berges. Was für uns aus sicherer Entfernung malerisch schön aussieht, kann für die Bergsteiger am Mt. Everest sehr schnell lebensbedrohlich werden, denn Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h bei Temperaturen, die selbst im Hochsommer im Gipfelbereich kaum über die Frostgrenze klettern und im Jahresdurchschnitt -20 Grad betragen, machen eine Gipfelbesteigung über weite Teile des Jahres unmöglich. Die größte Wahrscheinlichkeit, gutes und stabiles Wetter zu erwischen, besteht von Ende März bis Anfang Mai, also bevor der Monsun ab Juni wieder für Sturm und heftige Niederschläge sorgt. Dennoch ist eine Besteigung des Mt. Everest genauso wie die aller anderen Bergriesen im Himalaya immer eine Unternehmung, deren Gefährlichkeit man zu keinem Zeitpunkt unterschätzen darf.

All dies und noch viele weitere Dinge gehen uns durch den Kopf, während wir aus ein paar Kilometer Entfernung, aber aus der sicheren und warmen Warte des Flugzeuges heraus und mit einem kühlen Getränk in der Hand zum echten „Höhepunkt“ der Erde hinüberschauen. Die Blick auf den Mt Everest und LhotseFaszination, die der Everest auf Bergsteiger aus aller Welt ausübt, ist auch für uns sofort spürbar, und die Ehrfurcht und der Respekt vor der Großartigkeit der Natur sind überall im Flieger zu greifen. Ein letzter Blick zurück, und viel zu schnell nehmen wir wieder Kurs auf Kathmandu. Die aufgeregte Geschwätzigkeit an Bord, die den Hinflug geprägt hatte, ist einer fast schon andächtigen Ruhe gewichen. Untermalt vom beruhigenden Brummen der beiden Turboproptriebwerke verarbeiten wir alle die frischen Eindrücke, und die Zeit bis zum sicheren Aufsetzten auf dem Flughafen der nepalesischen Hauptstadt vergeht sprichwörtlich wie im Fluge.

Ein Blick auf den Mt. Everest ist unbestritten eines der großen Highlights einer Nepalreise. Und wer die Zeit nicht hat oder körperlich nicht dazu in der Lage ist, eine mehrtägige und anstrengende Trekkingtour in die Everest-Region zu machen, für den bietet ein Panoramaflug zum Mt. Everest die einmalige Gelegenheit, das Firmenmotto von Buddha Air lebendig werden zu lassen: „I did not climb Mt. Everest, but I touched it with my heart“.

Michael Fritz

www.mf-pictures.de

 

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