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Maria Island

 

Maria Island, Australien

Ruhe und Natur ganz weit down under

Australien

21 km vor der Insel Tasmanien liegt Maria Island. Mehr Ruhe und Naturerlebnis geht kaum. Prachtvoll leuchtende Gesteinsformationen, verwunschene Wälder, weißsandige Buchten mit glasklarem Wasser, Begegnungen mit der australischen Tierwelt aber auch Spuren einer bewegten Vergangenheit faszinieren.

Die Wettervorhersage ist gut.  Der Himmel ist blau und klar, doch es ist kalt, als wir an diesem Morgen unser Quartier im Freycinet Nationalpark verlassen, um in Tribuanna die Morgenfähre nach Maria Island zu erreichen. So sind sie eben – die Sommermorgen im rauen Tasmanien. In Tribuanna am kleinen Hafen haben Anne und John ihre Arbeit schon begonnen. Sie betreiben die Fähre, die zweimal täglich nach Maria Island verkehrt und verleihen außerdem Mountainbikes für die Inselerkundung. Anne ist Nachfahrin einer jüdischen Familie aus Wien, die auf der Flucht vor den Nazis einst hier eine neue Heimat fand. Wir checken ein, heben unsere Räder an Bord und finden noch Zeit für ein kühles, aber sonniges Freiluftfrühstück.

Göttlicher Name für eine Strafkolonie

 

Während der einstündigen Überfahrt steuert John den Katamaran, weist hin und wieder auf vorbeiziehende Delfine oder am Himmel kreisende Seeadler hin überlässt aber ansonsten seiner Frau die Gestaltung des Bordprogramms.

Und Anne hat viel zu erzählen. Von den Ureinwohnern dieser Region, den Tyredemme, die in ihren Kanus aus Schilfrohr zu der Insel übersetzten, die sie „Toarra-Marra-Monah“ nannten. Oder vom Entdecker Abel Tasman, der die Insel 1642 nach Maria van Diemen benannte, der Frau des Generalgouverneurs von Niederländisch-Ostindien, Anton van Diemen. Der göttliche Name habe aber in krassem Gegensatz zu den rauen Gesellen gestanden, die die Insel in der Folgezeit besiedelten: Wal- und Robbenfänger Anfang des 19. Jahrhunderts, englische Sträflinge in den 1820er Jahren.

Darlington Bay

 

Ein italienischer Visionär

 

Und dann gab es noch Diego Bernacchi jenen italienischen Unternehmer der Maria Island nicht nur industrialisieren, sondern hier down under auch ein zweites Venedig erschaffen wollte. Zuerst ließ er eine Zementfabrik errichten, versuchte Wein anzubauen, gründete eine Siedlung mit immerhin bis zu 250 Einwohnern, Schule, Post und Geschäften – und scheiterte 1892. 1925 versuchte er sich zum zweiten Mal als Unternehmer, diesmal im Tourismusgeschäft. Die Weltwirtschaftskrise bereitete auch diesen seinen Träumen ein jähes Ende.

 

Nur Pflanzen, Tiere, Wind und Weite

 

Wir begegnen an diesem Tag immer wieder Spuren dieser turbulenten Vergangenheit. Doch das Faszinosum von Maria Island heute ist die ursprüngliche Natur und das allgegenwärtige Bewusstsein hier auf diesen 115 Quadratkilometern nun wirklich ganz weit weg zu sein von den Übeln oft hektischen Alltags wie kontrovers diskutierenden Gruppen, vollen Supermärkten  oder einem die Zeit stehlenden Computern mit ihrer Fülle oft sinnentleerter, aber trotzdem auf Antwort harrenden E-Mails. 

Australien

Anne hat für uns ein volles Tagesprogramm konzipiert, in dem alle Highlights enthalten sind, die man ihrer Meinung nach beim ersten Besuch der Insel einfach gesehen habe muss. Mit den Worten „Ihr seht sportlich aus, das schafft ihr schon“ schickt sie uns erst einmal vom Schiffsanleger in der ehemaligen Siedlung Darlington auf den „Fossil Cliffs Circuit“, immer bergan und gegen den Wind. Den „Commissariat Store“, die heutige Ranger Station des Nationalparks und Reste der Zementfabrik hinter uns lassend, erreichen wir bald den Inselfriedhof und stoßen auf eine interessante Geschichte. Ein Grabstein weist auf einen Maori Krieger namens „Hohepa Te Umuora“ hin, einen ehemaligen Gefangenen der Maori Kriege, der hier 1847 starb. Sein Grabstein blieb, seine Gebeine wurden 1988 exhumiert und nach Neuseeland überführt, um dort im Rahmen eines traditionellen Stammesbegräbnisses beigesetzt zu werden.

Schließlich stehen wir verschwitzt und windumtost hoch über der Fossil Bay  an der Nordküste

Australien, Fossil Cliffs

der Insel. Der Ausblick nimmt uns gefangen, ja ist nahezu „pilcheresk“ erinnert er doch mit seinem Mix aus blauem Meer, schroffen Felswänden und satten, grünen Wiesen stark an die Landschaften Cornwalls. Die Felswände hier sind  übersät mit Abertausenden versteinerter Muscheln  und Meeresschnecken. Es ist gerade ablaufendes Wasser, wir lassen unsere Räder zurück und nutzen die Gelegenheit, auf Meereshöhe abzusteigen um uns einige große Steinblöcke mit ihren viele Millionen Jahre alten Versteinerungen aus der Nähe anzusehen.

 

Ein Farbenspektakel  aus Kalkstein

 

Wieder oben schwingen wir uns rasch auf unsere Mountainbikes, schenken den    Fossil Cliffs noch einen Abschiedsblick und lassen uns diesmal mit Rückenwind zügig bergab rollen. Eine kurze Pause aber gönnen wir uns, für eine intensive Begegnung mit einem Paar Cape-Barren-

Australien, Cape Barren Gänse

Gänsen, die uns ganz nahe an sich heranlassen. Unser Ziel sind die Painted Cliffs die wir – so Anne´s  nachdrückliche Empfehlung – unbedingt noch bei Ebbe erreichen wollen, da sie erstens nur dann gefahrlos zu begehen seien und zweitens das Licht zum Fotografieren um diese Tageszeit am besten sei. Beides stimmt. Wir klettern und klettern, können uns nicht satt sehen an diesem Farbenspektakel. Eisenhaltiges Wasser hat den ehemals weißen Kalkstein  mit rötlich-gelben Färbungen versehen. Jede Änderung des Lichteinfalls führt zu neuen imposanten Farbimpressionen. Wir sind so fasziniert von diesem Naturschauspiel, dass wir uns entschließen, am direkt an die Klippen angrenzenden Hopground Beach Picknick zu machen, die leuchtenden Felsen immer im Blick. 

 

Australien, Painted Cliffs Hopground Beaching

Stille Buchten, exotische Tiere, verwunschene Wälder

 

Wir biken ein wenig länger die Küste entlang mit ihren stillen Buchten, tauchen gar einmal in die ebenso klaren wie kalten Fluten ein. Aus den Booming BayWäldchen zwischen den Stränden springen öfter Wallabys und Forester- Kängurus heran, um uns dann aus sicherer Distanz neugierig Wallabyzu beäugen. Für den Rückweg zum Schiffsanleger wählen wir den Weg durch das Inselinnere und arbeiten uns auf einsamen Wegen durch einen dichten Urwald vor. Hier hört man das Rauschen des  Meeres nicht Australienmehr, die Luft ist erfüllt von sich leicht im Wind wiegenden Baumkronen und unzähligen Vogelstimmen. Wir legen uns eine Weile unter einen der riesigen Gummibäume, um dieses besondere Naturerlebnis intensiv genießen zu können. Und dann sehen wir auch einige der exotischen Vögel vorbei huschen, deren Stimmen uns schon eine ganze Weile begleitet haben, den grünen „Swift Parrot“ zum Beispiel, der sich im Gegensatz zu seinen Artgenossen von SchnabeligelNektar ernährt. Weitere Tierbegegnun- Wombad
gen warten dann später wieder am Boden auf uns, mit einem Schnabeligel, fotoscheu und bemüht, sich  rasch im Unterholz zu verkriechen und einem Wombat, das sich bei seiner genüsslichen Grasmahlzeit nicht stören lässt. 

 

Italienische Ruinen und ein berühmter Sohn

 

Einen letzten Umweg machen wir noch, bevor wir zum Schiff zurückkehren – aus Neugier. Was  ist aus der Zeit des Visionärs Diego Bernacchi, den die Zeitgenossen in seiner unternehmerischen Blütezeit „King Diego“ nannten, noch zu sehen außer den Resten seiner Zementfabrik? Enttäuschend wenig, müssen wir feststellen, als wir südwestlich der Mühle ein Ruinenfeld vorfinden, dort wo einmal das Wohnhaus der Familie und das „Grand Hotel“ gestanden haben. Anne erzählt uns später, dass Bernacchi hohes Ansehen genossen habe, weil er immer voller Ideen und Optimismus gewesen sei.

Reichtum habe er aber nie erlangt.

Doch Bernacchi und seine belgische Frau Barbe schenkten Australien einen berühmten Sohn: Ihr Erstgeborener Louis Charles wurde einer der bedeutendsten Antarktisforscher, war der erste Australier der in diesen unwirtlichen Gefilden arbeitete und überwinterte. Als Physiker war er Mitglied von Captain Scott´s erster britischer Antarktisexpedition, Scott wurde später sein Trauzeuge. Kurz bevor wir Tasmanien 10 Tage später verlassen entdecken wir im Hafen von Hobart ein Denkmal zu seinen Ehren, das ihn mit seinem Lieblings-Husky zeigt.

Bernachi

 

Wiener Apfelstrudel down under

 

Unser Tag endet mit einem unerwarteten kulinarischen Genuss: Beim Verlassen ihres Bootes fragen Anne und John, ob wir uns nicht bei ihrem Freund Hans  noch bei Apfelstrudel und Kaffee ein wenig zusammensetzen wollen. Hans sei gebürtiger Wiener und betreibe in Tribuanna ein Wiener Kaffeehaus, freue sich immer, mal wieder deutsch sprechen zu können. Rein äußerlich betrachtet erweist sich das Kaffee von einem Wiener Kaffeehaus als mindestens so weit entfernt wie Tribuanna eben von Wien ist, aber der warme Apfelstrudel und der dazu servierte „große Braune“ sind Wiener Qualität pur. Und dann ist da noch Hans, der ein Gemisch aus Englisch, Wiener Schmäh und Hochdeutsch spricht, das allein schon den Besuch seines Etablissements wert wäre.

Ich äußere, wir würden gerne noch mal herkommen, um länger die wunderbare Natur auf Maria Island erleben zu können. „Kein Problem, ihr könnt hier bei uns im Ort euer Basisquartier aufschlagen und dann zu einem  viertägigen Maria Island Walk mit Führer starten“, bieten die Drei sogleich an. Werden wir machen.

 

 

Uwe Junker

 

 

Reise-Tipps

Reiseführer:

Australien -  der Osten: Reisehandbuch mit vielen praktischen Tipps [Broschiert], Michael Müller Verlag,

Lonely Planet Reiseführer Australien Ostküste [Broschiert]

Reiseveranstalter:

Westtours Reisen GmbH, Adenauerallee 78, 53113 Bonn, Telefon:  0228 -9153130, www.westtours.de , sehr erfahrener Spezialveranstalter, attraktive Angebote für Gruppen- und maßgeschneiderte Individualreisen nach Wunsch

Maria Island Walk:

Viertägige Wanderung incl. Übernachtungen in Lodges oder Zelten ca. 1600 € pro Person, www.mariaisland-walk.com.au

 

Tagesausflug Maria Island:

90 Minuten Autofahrt von Hobart zum Hafen von Tribuanna, Hin- und Rückfahrt mit der Fähre ca. 36 € pro Person, Fahrradmiete 15 € pro Tag

Auskunft:

Tourism Australia, Frankfurt, Telefon: 069/27400622, www.australia.com, www.discovertasmania.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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