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Der Rheinsteig, Teilabschnitt 1 unserer Wanderstrecke

Eine Tageswanderung von Bonn nach Königswinter auf dem Rheinsteig

Rheinsteig

Ein stahlblauer Himmel mit hübschen weißen Sommerwolken wölbt sich über der Rheinebene in der alten Beethovenstadt Bonn.

Und da stehen wir auf dem barocken Marktplatz, haben zwischen endlosen Regentagen auf Bonn, Marktplatzden richtigen Sonnentag gewartet und uns kurzfristig am Abend vorher nach der zufrieden stellenden Wetterkarte zur ersten Etappe des Rheinsteigs entschlossen. Und so soll es denn heute für zwei alte Freunde, die sich genau ein halbes Jahrhundert kennen, zu Fuß von Bonn nach Königswinter gehen. Da freuen wir uns insgesamt auf Ausblicke auf eine der schönsten Kulturlandschaften Europas mit romantisch mittelalterlichen Burgruinen und heute erst einmal auf das vor uns liegende Siebengebirge.

Dabei ist der Rheinsteig kein einfacher Wanderweg. Er hat seine Tücken, ist eine echte sportliche Herausforderung. Zieht sich über alle Höhen und will keinen Steig auf seinen 320 Kilometern auslassen zwischen Bonn und Wiesbaden. Man sagt ihm nach, dass man auf manchen Teilstücken mehr Höhe erklimmen muss als in den Alpen.

Rheinsteig, Ramersdorf bei BonnDas merken wir jedoch erst einmal nicht. Von der linksrheinischen Seite marschieren wir gelassen vorbei am Kurfürstlichen Residenzschloss mit ausladenden Parkanlagen in Richtung des viel besungenen Stromes. Überqueren ihn über die Kennedy-Brücke und bleiben ab jetzt auf der rechten Rheinseite. Lassen die Bonner Vororte hinter uns und laufen topfeben an Vater Rhein entlang bis Ramersdorf. Hier wurde 1979 ein Teil des Rheinufers anlässlich der Bundesgartenschau zum Landschaftspark Rheinaue umgestaltet.

An dieser Stelle kehren wir dem behäbigen Strom nun den Rücken und laufen mitten durch ausladende, hypermoderne Glasfassaden rechts und links der Konzernzentrale von T-Mobile und auf die Hänge des Ennert zu.Rheinsteig

Bevor wir dann aber die ersten Höhen hinauf steigen, kommt großes Rätselraten auf. An einer Kirche mit anschließendem Friedhof finden wir das markante, kleine blaue Rheinsteig-Schildchen nicht. Der eine steigt über den Friedhofsweg den Berg hinauf und findet den Anderen nicht mehr. Dank unserer Handys ist das Problem schnell behoben und wir finden auch unser kleines blaues Wanderzeichen. Nur einen Steinwurf weiter unterqueren wir die Autobahn und steigen durch einen Hohlweg zum Foveaux-Häuschen auf. Auch hier haben wir wieder nicht aufgepasst und müssen an dieser markanten Schutzhütte, die 1820 vom Kölner Unternehmer Heinrich Jos. Foveaux errichtet worden ist, umkehren.

Den ganzen steilen Weg wieder zurück. Nicht unter der Autobahn her wäre unser Weg richtig gewesen, sondern an einer anderen Stelle gab’s eine Brücke. Nach verärgertem Nachlesen in unserem Führer wurde uns das dann klar, besser und genauer bei jeder Wegkreuzung zu schauen. Was manchmal, wie wir auch später festgestellt haben, nicht immer eindeutig ist. So finden wir an markanten Wegkreuzungen zum Verrecken keinen Hinweis, mitten auf einem schnurgeraden Wanderweg dafür das kleine blaue Logo markant an einem eigens dafür aufgestellten Pfahl. Wir sind uns einig, dass solche Pfähle mit dem Logo Wegkreuzungen markieren sollten, und nicht ein Logo an irgendwelchen Bäumen, die dann von Gebüsch umrankt oder schlimmer noch, die Bäume mit dem anhängenden Logo gefällt werden.Rheinsteig Hoch oben über dem Dornheckensee dann die erste Rast. Da sitzen wir auf einer Bank, essen die mitgebrachten Brote, ziegeln uns auf mit Wasser und genießen den Blick weit über das mittlerweile etwas diesige Rheintal hinüber zum Posthochhaus und zum „Langen Eugen“, dem früheren Abgeordneten-Hochhaus des Deutschen Bundestages. Nach dem wir die Utensilien wieder im Rucksack verstaut haben, gehen wir nur ein paar Schritte vor zur Umzäunung der gefährlichen Abbruchkante, legen unsere Ellenbogen genüsslich auf die Absperrung und blicken hinunter zum See. Und plötzlich dann tief unten am See, der in einem undurchdringlich erscheinenden Dschungel eingebettet ist, fröhliches Jauchzen. Wir erkennen einige Personen, die pudelnackt am See herumspringen, während andere gerade aus dem rabenschwarzen Wasser heraus steigen. Dabei ist das Schwimmen in diesem ehemaligen Steinbruch, einem wichtigen Laichgewässer für Amphibien, verboten. Denn schon mancher Badegast hat das Wasser nicht lebend verlassen.Rheinsteig

Ab jetzt haben wir nur noch selten einen Blick auf den Rhein. Da wandern wir oft unter Schattenspendenden Baumalleen auf und ab, verweilen ein weiteres mal kurz am Oberdollendorfer Rosengarten und genießen bei einem großen Schluck aus unserer Wasserflasche den Blick über unseren ersten Weinberg hinüber zum Petersberg.Rheinsteig

Bevor wir den aber erklimmen, liegt Kloster Heisterbach, eine ehemalige Abtei der Zisterzienser Mönche, auf unserem Weg. Im großzügig angelegten englischen Park fotografieren wir einen steinernen Fisch vor der imposanten Chorruine. Dabei haben nicht Bomben im Zweiten Weltkrieg diese stolze, mächtige Klosterkirche zu einem Torso zerstört, sondern schlichtweg wurden ihre Steinquader zum Bau der Festung Ehrenbreitstein im Jahre 1809 verschleppt.Rheinsteig

Später, nachdem wir einige Höhenmeter erklommen haben, betreten wir die kleine, schlichte Kapelle des heiligen Petrus auf dem Petersberg. Darin halten wir einen Moment inne und denken an die Nachkriegsgeschichte unseres Landes, die auf diesem Berg hoch über dem Rhein geschrieben wurde. 1949 wurde im benachbarten Gästehaus der Bundesregierung das „Petersberger Abkommen“ unterzeichnet, das die Souveränität unseres am Boden liegenden Landes eingeleitet hat. An diesem Ort logierten Kaiser und Könige. Große Staatsmänner wie Bill Clinton joggten hier, Breschnew soll angeblich seinen gerade als Staatsgeschenk in Empfang genommenen 300er Mercedes in den vielen engen Kurven hinunter nach Königswinter zu Schrott gefahren haben.RheinsteigFür uns ist heute der Rheinsteig hier fast zu Ende. Nicht über die asphaltierte Straße wie Breschnew, sondern über einen wunderschönen Waldweg geht’s für uns hinab nach Königswinter, unserem Tagesziel.RheinsteigDerweil wölbt sich der unermesslich weite Himmel immer noch silbrig schimmernd über dem ausladenden Rheintal und ermutigt uns zu weiteren Entdeckungsreisen entlang des Rheinsteigs.

Gerd Krauskopf

 

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