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Baden-Württemberg, Heidelberg

Mit Hopfen und Malz durch die Kurpfalz

Kulturbrauerei Heidelberg

500 Jahre nach Entstehung des Deutschen Reinheitsgebots im Jahr 1516 ist das Thema Bier lebendiger und aktueller denn je. Mit 189 Braustätten und mehr als 1500 verschiedenen Bieren ist Baden-Württemberg das zweitwichtigste Bierland in Deutschland. An der Kurpfälzischen Bierstraße wird das Jubiläum in Museen und Brauereien der Residenzstädte Mannheim, Schwetzingen und Heidelberg gewürdigt.

 Von Norbert Krauss

Braumeister Thomas Lamerz füllt das bauchige Glas aus einer dunklen Fünf-Liter-Flasche mit köstlichem Gerstensaft, hält es gegen das Licht und schnuppert mit der Nase darin. Sein Gesichtsausdruck verrät: Er ist zufrieden mit dem Produkt. In der Kulturbrauerei Heidelberg wird das frisch gebraute Bier direkt im Restaurant ein Stockwerk höher verkostet. „Wir haben keinen Flaschenverkauf“, erklärt Lamerz. „Uns sind kurze Vertriebswege wichtig; denn die Lagerzeit des Bieres beträgt nur zwei Wochen.“ Im Keller stehen mehrere Tanks, von denen jeder individuell kühlbar ist. Denn die Geschmacksrichtungen des Biers ändern sich dem Braumeister zufolge mit der Temperatur. Die Diskussion um das Reinheitsgebot sieht er gelassen. Man könne auch hier viele unterschiedliche Biersorten herstellen.

Anne Mahn

Unverwechselbar und eigenwillig steht das Gebäude des Technoseum an der östlichen Einfahrt zur Mannheimer Innenstadt. Der Bau zitiert mit seinem abstrakten Formenschatz von Keil und schräger Ebene die Prinzipien der Technik. Die Sonderausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ erinnert an das älteste noch heute gültige Lebensmittelgesetz. Neben der Technik-, Sozial- und Kulturgeschichte des Bieres von den Sumerern bis zur industriellen Herstellung erfährt der Besucher, was vor dem Reinheitsgebot alles ins Bier gemischt wurde – etwa Ochsengalle und Schlangenkraut. Mitmach- und Experimentierstationen vermitteln die Herstellung wie auch die Wirkung des Biers ganz praktisch: Mittels Rauschbrille wird nachvollziehbar, welche Auswirkungen ein übermäßiger Bierkonsum haben kann. Kuratorin Anne Mahn sieht das Reinheitsgebot – das Original des Buchs aus München ist unter den Exponaten – als Maßnahme, um sich vor Importen zu schützen. „Das Zunftzeichen der Brauer, das wie ein Davidstern aussieht, ist nicht genau belegt“, sagt die Kuratorin. „Man findet es aber noch auf manchen Etiketten.“ Die Schau zeigt auch, wie Bier in der Werbung inszeniert wurde und welche Bedeutung es als Imagefaktor für die Bundesrepublik bis heute noch hat.

Eichbaum-Brauhaus in Mannheim

Während einer Führung durch die Privatbrauerei Eichbaum werden mehr als 333 Jahre Kurpfälzer Brautradition erlebbar. Der Wallone Jean de Chaine gründete eine Schankwirtschaft mit angeschlossener Hausbrauerei, die er nach der deutschen Übersetzung seines Familiennamens Eichbaum benannte. Drei Jahrhunderte später zählt die Privatbrauerei Eichbaum heute zu den größten Brauereien des Südwestens und gilt als ältestes Unternehmen Mannheims. Für viele hat die Brauerei damals wie heute wesentlichen Einfluss auf die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Quadratestadt genommen. Tourguide Nikolaus Satter betont: „Wir sind eine regionale Marke, haben aber mit Karamalz und einem sehr hohen Exportanteil auch andere Standbeine.” Eichbaum nutzt umweltschonende Energien: So hat sich beispielsweise der Wasserverbrauch drastisch verringert.

Schwetzinger Museum

In Schwetzingen, das für seinen Spargel bekannt ist, bekommt der Besucher des Gästeführerin Birgit Hiefner-KoniezkoStadtmuseums einen Einblick in die Schwetzinger Brautradition. Die Stadt war für Nordbaden im 19. Jahrhundert Dreh- und Angelpunkt für den Hopfenanbau und -verkauf – selbst die Schwetzinger Wochenzeitung hieß damals „Badische Hopfenzeitung”. Für die Bierherstellung verwendete man nur die Blüten, der Stiel musste ab, Ganze Familien kamen zum „Hoppe zoppe” aus dem Odenwald angereist. Ein damals prägender Satz war: „Hoppe zoppe, Stiel dro losse, wer's nit kann, solls bleiwe losse” („Hopfen zupfen Stiel dranlassen, wer es nicht kann, soll es bleiben lassen”). Er findet sich auch im berühmten Schwetzinger Hopfenlied wieder. Birgit Rechlin, die Leiterin des Karl-Wörn-Hauses, lässt offen, ob das Reinheitsgebot zeitgemäß ist oder nicht. Bezeichnenderweise nimmt die Ausstellung nicht auf das deutsche, sondern auf das bayerische Reinheitsgebot Bezug. Schon Hildegard von Bingen habe die beruhigende Wirkung des Hopfens erkannt. Zum Kühlen sei Natureis verwendet worden, das aus dem Schlossweiher gestochen und im Eiskeller gelagert worden sei.

Stadt Schwetzingen

Der Einblick in die Schwetzinger Biertradition wird dann in der Welde-Bierwelt vertieft. Weldebräu betreibt sein Restaurant zwar immer noch in Schwetzingen, ist aber aus Platzgründen nach Plankstadt gezogen. Dort werden die Biere mit nachhaltig erzeugten Rohstoffen aus der Region und nach Slow-Beer-Richtlinien eingebraut. Die acht Gärtanks fassen je 40.000 Liter; pro Tag wird ein Tank gefülllt. In den acht Lagertanks gären die Biere anschließend sechs bis acht Wochen. Seit 1997 werden die Biere in Flaschen mit geschwungenem Hals abgefüllt. Welde-Chef Hans Spielmann zeigt stolz seine „Schatzkammer” im Keller, wo Spezialbiere gut gekühlt in Bourbon-, Rum- und Tequila-Holzfässern lagern.

Karzer der Heidelberger Universität

Gleich zwei Brauereien laden in der Universitätsstadt Heidelberg zu Besichtigungen ein: die eingangs beschriebene Kulturbrauerei und die Brauerei zum Klosterhof auf dem Gelände der Benediktinerabtei Neuburg. Von der ehemaligen Burg oberhalb des Neckartals am Stadtrand ist nur die Mauer übrig geblieben. Schon 1130 siedelten sich hier Mönche an, die von der Reichsabtei Lorsch bei Heppenheim kamen. Später waren es Klosterfrauen, die an diesem Ort in Gemeinschaft ein Leben des Gebets führten. Mit der Reformation hörte das klösterliche Leben in Neuburg auf. Die Gebäude dienten verschiedenen Zwecken und kamen 1804 in Privatbesitz. 1926 erwarb die Erzabtei Beuron das „Stift”, wie die Heidelberger das ehemalige Kloster nannten, und besiedelten es neu. „Seit 1929 ist Neuburg eine eigenständige Benediktinerabtei“, erzählt Bruder Bruno, der auch als Stadtführer tätig ist, dann seine Mönchskutte ablegt und in Zivil auftritt. „Das auf dem Klostergelände gebraute Bier ist das einzige weltweit, das mit Weihwasser hergestellt wird“, meint er verschmitzt im Hinblick darauf, dass die Quelle, deren Wasser zum Brauen verwendet wird, geweiht worden ist.

Brauerei zum Klosterhof Heidelberg

Die Brauerei zum Klosterhof wurde im Oktober 2009 eröffnet. Seitdem wird in den aufwändig umgebauten ehemaligen Schweineställen des Stifts in handwerklicher Tradition feinstes Biobier gebraut. „Da das Frischbier ungefiltert und nicht pasteurisiert ist,, ist es gekühlt nur drei Monate haltbar“, erklärt Brauer Till Barucco. „Das Wasser ist weich und verträgt deshalb mehr Hopfen. Das Bittere tritt in den Hintergrund. Die Verwendung von mehr Aromahopfen führt in Verbindung mit obergäriger Hefe zu fruchtigen Geschmäckern.” Allerdings sind die Rohstoffe dreimal so teuer wie bei Industriebieren.

HeidelbergTouristen und Studenten haben dazu beigetragen dass Heidelberg berühmt für seine Kneipen-und Gaststättenkultur und sein ausgeprägtes Nachtleben ist. In der historischen Altstadt wird schnell die Nacht zum Tag, vor allem in den Bars rund um den Marktplatz und in der Unteren Straße.

Heidelberg

Informationen

Technoseum, Museumsstraße 1, 68165 Mannheim, www.technomuseum.de

Brauerei Eichbaum, Käfertaler Straße 170, 68167 Mannheim, www.eichbaum.de

Stadtmarketing Mannheim, E4, 6, 68159 Mannheim, www.stadtmarketing-mannheim.de

Museum Karl-Wörn-Haus, Marstallstraße 51, 68723 Schwetzingen, www.schwetzingen-museum.de

Weldebräu, Brauereistraße 1, 68723 Plankstadt, www.welde.de

Stadtinformation Schwetzingen, Dreikönigstraße 3, 68723 Schwetzingen, www.schwetzingen.de

Brauerei zum Klosterhof, Stiftweg 4, 69118 Heidelberg, brauerei-zum-klosterhof.de

Kulturbrauerei Heidelberg, Leyergasse 6, 69117 Heidelberg, www.heidelberger-kulturbrauerei.de

Heidelberg Marketing, Neuenheimer Landstraße 5, 69120 Heidelberg, www.heidelberg-marketing.de

Postbus aus dem Jahr 1947 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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