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Südtirol Algund

Südtirol: Die Natur erwacht mit einem Blütenmeer

Südtirol AlgundWo Apfelbauern harte Arbeit leisten, Urlauber ein ruhiges Paradies vorfinden und nostalgisch in die Höhe schweben können

Von Gerd Krauskopf

Ein lauer Frühlingswind zieht an den Hängen der Meraner Bergwelt hinauf.

Dabei schirmt die mächtige Texelgruppe mit ihren Dreitausendern das Meraner Becken vor kalten Winden gegen Norden ab, während von Süden die warme Luft vom Mittelmeer schon seit Tagen ungehindert einströmen kann. Die hat die vielen Apfelbäume in ein weißes Südtirol AlgundBlütenmeer verwandelt. Tag für Tag ist die Blütenpracht dann die steilen Berghänge hinauf geklettert und hat so auch den kleinen Algunder Weiher Vellau am Fuße der mächtigen Texelgruppe, fast 700 Höhenmeter über der tief liegenden Nachbargemeinde der Tiroler Landeshaupt- und Kurstadt Meran, erreicht. Wie die fleißigen Bienen um die duftenden Südtirol AlgundApfelblüten herum summen, steht Alt-Apfelbauer Alois Schweigl mit seiner für Südtirol typischen blauen Arbeitsschürze die Freude ins Gesicht geschrieben, dass endlich der Frühling Einzug hält. Er, der einer der Pioniere des Vinschger Obstbaus und Jahrzehnte lang engagierter Kommunalpolitiker war, hat schon vor über zehn Jahren seinen Apfel- und Pensionshof an Sohn Hans übergeben. Jetzt schaut er von einer Bank vor seinem Haus aus seinem Südtirol AlgundSohn Hans nach, wie der den steilen Hang inmitten seiner Apfelbäume mit dem „Hupfer" – wie die Südtiroler ihren kleinen Traktor nennen – hinunter fährt. Für ihn beginnt jetzt nach dem aufwändigen Winterschnitt seiner Bäume eine neue Arbeit. Da wird mancher alter, nicht mehr ertragreiche große Obstbaum gefällt und junge Obstbäume gepflanzt. Dann holt Alois sein Taschenmesser aus der Hosentasche und schneidet sich kleine mundgerechte Stückchen von seinem Südtiroler Speck ab. Und während er den guten, mild geräucherten Schinken genießt, schaut er den bunten Gleitschirmen am blank geputzten blauen Himmel nach und bleibt weit drüben an der schneebedeckten Bergwelt des Etschtals hängen. „Dort oben", sagt er mit Bedacht, „laufen sie jetzt noch Ski und hier verrichten die fleißigen Bienen vom Luis bereits ihre Arbeit in dieser Blütenpracht". Und dieser Luis, Luis Haller, ein befreundeter Imker mit Südtirol AlgundLandwirtschaft und Gasthof, gute einhundert Höhenmeter unter dem Weiler Vellau, besitzt 52 Bienenstöcke. Die haben jetzt unten um Algund herum ihre Arbeit verrichtet. Nach und nach sind sie den geöffneten Blütenknospen den steilen Hang bis Vellau – einem Übergang der Apfelplantagen zur hochalpinen Texelgruppe – hinauf gefolgt. Dabei kommen sie täglich zu ihrer Behausung, die Beute genannt werden, zurück. Imker Luis hat die alten Holzbeuten, die noch von seinem Vater stammen, gegen moderne Kunststoffbeuten getauscht, erzählt er einige Tage später bei einem Besuch. „Die", dabei strahlen seine Augen, „bieten ein gleichmäßiges Raumklima, weil sie bestens isoliert sind. Im Sommer schützen sie gut vor Hitze und im Winter gegen die Kälte". Bis zu sechs Kilometer beträgt dabei ihr Flugradius. Nur kann er seinen Honig nicht als Bioware deklarieren, da er die Honigbienen in Kunststoffkästen hält. Aber das tut seinem Honig-Geschäft mit 700 bis 900 Kilogramm jährlich keinen Abbruch.

Südtirol AlgundWieder in Vellau mit seinen 130 Einwohnern zurück, bietet der kleine, abgeschiedene Weiher eine Besonderheit. Für Spaziergänger und Wanderer, die hoch hinaus wollen, gibt es neben der schmalen, steilen und kurvenreichen Straße eine besondere Art der Beförderung. Unten von Algund/Plars schwebt man mit einem unter Denkmalschutz stehenden Einzelsessellift von 1957 gemütlich über Weinreben, deren Knospen jetzt gerade aufbrechen. Da „weinen die Reben", wie es die Weinbauern hier in Südtirol sagen, wenn der Saft in die Weinstöcke schießt. Hier in Vellau nach 600 Meter Höhenunterschied, steigt der Gast dann aus und kann es sich auf der Sonnenterrasse des altehrwürdigen Gasthofes „Gasteiger" erst einmal gemütlich machen. Da Südtirol Algundgeht der Blick vom ältesten Wirtshaus von Vellau weit in den Vinschgau bis hinüber zum mächtigen Ortlermassiv. Schmunzelnd erzählt die taffe Wirtin Helga Schweigl auf ihrer Terrasse von den seinerzeitigen Schwierigkeiten, die man ihrem Vater Mathias Mitte der 1950er Jahre bei der Planung der Seilbahn gemacht hat, was vor einem Richter im weit entfernten Rom ausgetragen wurde. Dort argumentierten die einflussreichen Weinbauern vor dem hohen Gericht, dass sie es nicht dulden würden, dass ihre Knechte bei der Arbeit im Weinberg den Damen in den Gondeln unter die Röcke schauen könnten. Die Richter sollen nur geschmunzelt und dann die Genehmigung erteilt haben. Weiter geht es von hier über 500 Höhenmeter mit Südtirol Algundeiner absolut kultig nostalgischen Beförderungsart: einer Stehgondel aus dem Jahr 1967, die mit dem Sessellift zusammen all die Jahrzehnte liebevoll von Sepp, Josef Schweigl, einem Bruder von Wirtin Helga, gepflegt wird. Dieser historische Leckerbissen – den es nur noch einmal drüben im Trentino gibt – befördert mit der Hilfestellung von Sepp zwei Personen mit Südtirol Algundeinzigartigem Panoramablick auf die 1550 Meter hoch gelegene Leiteralm, die sich direkt am Meraner Höhenweg befindet. Daher ist sie an den vielen sonnigen Tagen ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in und um den Naturpark Texelgruppe.

Dass die Natur hier auf der Sonnenseite der Alpen auch einmal eine andere Seite zeigen kann und es aus mächtig schwarzen Wolken Hagel spucken kann, davon weiß Alois Schweigl ein Lied zu singen. „In den beiden letzten Jahren haben uns mitten im Sommer kräftig kurze Südtirol AlgundHagelschläge die gesamte Apfelernte vernichtet", sagt er resigniert und zuckt mit den Schultern. Nehmen die Unwetter zu, dann müssen wir aufgeben, ist der Entschluss der Familie. Für sie kommen Hagelnetze hier in dieser Steillage nicht in Betracht. Sie sind zu arbeitsaufwändig und zu teuer. Die Hagelversicherung hat zwar in beiden Fällen den Ausfall einigermaßen ersetzt, aber die liebevoll gepflegte Frucht soll nicht wieder als Industrieware enden. Und so haben sie schon vor einigen Jahren in weiser Voraussicht ihre kleine Frühstückspension "Vellauerhof" zu Ferienwohnungen umbauen lassen.

 

Weitere Informationen:

 

Tourismusbüro, Hans-Gamper-Platz 3, I-39022 Algund bei Meran(BZ), Tel. 0039/0473/448600, http://www.algund.info/de/willkommen.html

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 Apfelbauer Hans und Alois Schweigl, Garni und Appartements Vellauerhof, Vellau 32, I-39022 Algund, Tel.0039/0473/448544, http://vellauerhof.com/südtirol Algund

 

Imker Luis Haller, Pension Appartements Blumenthalerhof, Leiterweg Vellau 3, I-39022 Algund,

Tel. 0039/0473/448425, www.blumenthalerhof.comSüdtirol Algund

Gasthof Gasteiger mit Sessel- und Stehlift, Fam. Schweigl, Vellau 13, I-39022 Vellau/Algund, Tel. 0039/0473/448532, www.gasteiger.itSüdtirol Algund

 

 

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