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Im stillen Winkel Tschechiens - zu Besuch im Altvater-Gebirge

 

Herbststimmung in Malá Morávka

Das Mittagessen im Hotel Ovčárna war landestypisch üppig - der Schweinenacken mit Kartoffelstampf liegt schwer im Magen. Der Körper fordert einen sofortigen Kalorienabbau. Also raus in die weitgehend unberührte Natur des Jeseníky-Gebirges.

 

Wir sind zu Gast im streng geschützten Naturschutzgebiet um den Praděd, den Altvater, mit 1491 Meter der höchste Berg Mährens.

Der Altvatergipfel, 1491 m

Weit ab von Prag, schon nahe an der Grenze zu Polen, entdecken wir im tschechischen Teil Schlesiens ein gut erschlossenes Wander- und Skigebiet. 

Es ist schon etwas spät geworden - den Aufstieg auf den kahlen Gipfel Praděd mit dem markanten Fernsehturm schaffen wir heute nicht mehr. Wir wählen den Abstieg durch das Tal der Weißen Oppa (Bílá Opava) hinunter nach Karlova Studánka.

Im Tal der Weißen Oppa (Bílá Opava)

Auf der sieben Kilometer langen Wanderstrecke sind rund 600 Höhenmeter zu bewältigen. An sich kein Problem! Bis wir uns entscheiden, den Abzweig durch die Schlucht zu nehmen. Ein freundliches älteres Paar warnt uns eindringlich: „Cesta je nebezpčný“ - „der Weg ist gefährlich“. Sie sollten Recht behalten. 

Schwierige Passagen

Parallel zum reißenden Wildbach geht es auf felsigem, nassen Pfad steil hinab. Von dichtem Wald verdunkelte Wegabschnitte mit tückischen Baumwurzeln erfordern ein gehöriges Maß an Trittsicherheit. Treppen, Brücken, Stege, Leitern und Ketten sollen den Steig sichern. Sehr vertrauenserweckend sind die zum Teil maroden hölzernen Anlagen nicht immer. 

Auf dem letzten Stück des Steigs

Mit gegenseitiger Hilfe schaffen wir die schwierigen Passagen unfallfrei und sind stolz auf den kurzen alpinen Ausflug.

Karlova Studánka, das ehemalige Sommerkurhaus

Der über 200 Jahre alte Kurort Karlova Studánka ist nicht nur bekannt für seine heilenden Mineralquellen und die reine Luft - es soll die sauberste in ganz Mitteleuropa sein -, sondern auch architektonisch besonders reizvoll. Die Holzhäuser im klassizistischen Empirestil passen sich harmonisch in die waldreiche hügelige Umgebung ein.

Karlova Studánka, der Musikpavillon

Auch der ehemalige Staatspräsident Václav Havel versuchte hier seine schwere Atemwegserkrankung zu lindern. Jetzt, im Herbst, ist es still geworden in dem kleinen Ort. Nur wenige Gäste genießen die Ruhe in der Abgeschiedenheit des Altvater-Gebirges.

Karlova Studánka, der Trinkpavillon

Wir hatten eine alte zugige Baude erwartet - weit gefehlt - die Glashütte von Petr Slavkovský in Vrbno Pod Pradědem ist ein moderner Neubau - von Romantik also keine Spur. Der Glasbläsermeister hat sich mit seinem Mitarbeiter Petr Crhák auf die Anfertigung von mittelalterlichen Glasrepliken spezialisiert. 

Petr Slavkovský und Petr Crhák

Die beiden beherrschen ihr schwieriges Handwerk perfekt. Hand in Hand entstehen in erstaunlicher Geschwindigkeit ihre Glaskunstwerke - rund 40 Stück schaffen sie pro Tag. Die schweißtreibende Produktion der filigranen Gläser beginnt schon morgens um sechs Uhr und endet erst spät abends mit dem Glasschmelzen für den nächsten Tag. 

Glasbläserei Jakub

Als im Jahr 1590 in Zlaté Hory beim Bau eines Abwasserstollens zwei Goldklumpen mit einem Gewicht von 1185 und 1780 Gramm gefunden wurden, gab es wohl kein Halten mehr. Rund 150 Kilometer Stollen wurden gegraben, um bis 1993 aus den Erzvorkommen Wolfram, Kupfer, Silber und eben Gold zu gewinnen. Allein die Goldausbeute soll rund 4,5 Tonnen betragen haben.

Im Tal der verlorenen Stollen bei Zlaté  Hory

Karel Kozluk kennt nicht nur alle Geschichten um das schlesische „Klondike“ sondern führt auch die Besucher durch das „Tal der verlorenen Stollen“. Auf dem zwei Kilometer langen Lehrpfad mit zwölf Stationen wird die Geschichte des Erzabbaus lebendig. In den beiden Blockhütten mit den hölzernen Mahlwerken demonstriert er die alte Technik des Zertrümmerns, Mahlens und Auswaschens der Edelmetalle.

Karel  Kozluk mit Erzgestein

2010 fand in Zlaté Hory die Weltmeisterschaft im Goldwaschen statt. Aus aller Welt strömten die Glücksritter herbei - Gewinner waren übrigens drei Finnen.

Goldwäscher

Der Ausflug nach Krnov an der tschechisch-polnischen Grenze hat sich gelohnt. Die malerische, stilvoll restaurierte Stadt ist reich an Sehenswürdigkeiten. Hoch über dem Ortszentrum liegt die 1723 von Minoriten errichtete Wallfahrtskirche der „Heiligen Mutter zum Schmerz“. Seit über 400 Jahren pilgern die Gläubigen zum Gnadenbild, welches sich hinter dem Hauptaltar befindet. Der Gesamtkomplex auf dem Berg Cvilín umfasst neben der Hauptkirche weitere 12 Kapellen.

Die Wallfahrtskirche der „Heiligen Mutter zum Schmerz“

 

Rainer Schwirtzek

 

Infos:

Umfassende Informationen bietet das Portal von CzechTourism: www.czechtourism.com/de

 

 Anreise zum Altvatergebirge:

 

Vom Flughafen Wroclaw (Breslau, Polen) sind es rund 150 Kilometer; von Prag ca. 300 Kilometer. Wer nicht von Deutschland mit dem Auto anreist, sollte sich vom Flughafen / Bahnhof aus einen Mietwagen nehmen.

 

Unterkünfte:

 

Berghotel Chata Kopřivná; http://www.koprivna.cz/

Hotel Praděd, Zlaté Hory, http://www.hotelpraded.eu

Pension Běla, Běla pod Pradědem, http://www.pension-bela.cz

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