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Marokko

Trekking-Tour auf Berberpfaden

Abenteuerliche Reise im Südosten Marokkos

Marokko,  Djebel-Saghro-MassivRabenschwarz ist mir vor Augen. Meine Hand hält krampfhaft die Hand von Brahim, die andere tastet die Lehmwand des langen Tunnels mit den vielen einfachen Wohnungseingängen tief in der Kasbah von Zagora ab, während die Füße langsam schlurfend die Treppe suchen. Dann endlich die erlösende Zedernholztüre, die von Brahim aufgestoßen wird und spärliches Licht freigibt.

MarokkoFatima, vierzehneinhalb Jahre alt und seit zwei Jahren mit Achmed verheiratet, hockt am Boden vor der offenen Feuerstelle mit den beiden irdenen Gefäßen, in denen Fleisch und Gemüse köcheln. Der stechende Qualm zieht durch die einzige Öffnung zwei Stockwerke höher mitten in der Decke ab. Möbel sucht man vergeblich in dieser Ksar, dem Wohnsitz von 16 Familienmitgliedern.

Einhundertfünfzig solcher Bauten kleben dicht gedrängt aneinander. Die erstaunlich festen Mauern und Decken sind aus getrocknetem Schlamm und durchsetzt mit faserigen Palmenstrünken. Regefälle, die zwar sehr selten, dafür aber umso heftiger sind, haben rundherum so manche Decke zum Einsturz gebracht. Derweil reicht Fatima kochendheißen Tee auf der Terrasse.

MarokkoIn der wärmenden Frühjahrssonne hocke ich auf getrockneten Palmblättern. Brahim nippt mir gegenüber andächtig bei kleinen Schlucken aus seinem Glas mit den vielen frischen Minzblättern, bietet mir seine getrockneten Datteln an und lauscht den Erzählungen unserer beeindruckenden Trekkingtour.

Sie führte uns durch das mächtige, unberührte Djebel-Saghro-Massiv im Südosten des Landes. Es liegt zwischen dem Oued Dra, dem Dades-Tal und der Oase Tafilalet. Brahim kennt hier unten nicht die starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die uns besonders Marokkonachts im Zelt tief in den molligen Schlafsack gezwungen haben. Die mächtigen, freistehend hohen Zinnen mit den Basaltpfropfen früherer Vulkane des Kleinen Atlasgebirges hatten wir nie dort erwartet. Sie ragen immerhin bis fast 2800 Meter Höhe auf. Und dann tief unten in den Canyons der Sand, der sich zu neuen Formen ordnet. Dabei oft im Hintergrund der Hohe Atlas mit den noch weiß gepuderten Höhenzügen.

Merkwürdige Gedanken kamen mir da bei unserer Trekking-Tour. Ich dachte an Wasser. Wasser, das bei uns aus den Leitungen sprudelt, zur Genüge vom Himmel fällt und über Marokkotosende Flüsse in mächtigen Talsperren aufgefangen wird. Wasser, das bei uns eher belanglos verbraucht wird, weil es in Hülle und Fülle vorhanden ist. Hier löscht die Sonne jedwede Erinnerung an Regen mit diesem stahlblauen Himmel. Täglich begleitete er uns nun schon. Und daher ist die Erde staubtrocken, pfurztrocken. Schuhe und Hose dick mit Staub bedeckt.

Dort kamen mir dann die Gedanken auf, die mitgeführte Wasserfasche nicht schon am Morgen zu leeren. Lieber das köstliche Nass sparsam zu nutzen. Nur noch diesen Berg hier, dachte ich damals. Eigentlich dachte ich das öfters, weil es so kostbar ist. So einmalig hier.

Erstaunlich auch die Trittsicherheit unserer hoch bepackten Mulis, die selbst auf den alten Berberpfaden in Felslabyrinthen geschickt über die einzelnen, vom Wüstenwind wie von einem Sandstrahlgebläse bearbeiteten Blöcke trotteten. Dabei sind wir gut fünf bis sieben Stunden am Tag gewandert. Die einzigen, die uns dabei begegneten, waren halbnomadische Berber mit ihren verschleierten Frauen. Vier Gattinnen sind jedem Mann gestattet, wobei wir aber von Slimane, unserem erfahrenen Führer, gehört haben, dass sich nur etwa zwei Prozent aller Ehemänner einen solchen Luxus leisten können.

MarokkoSelbst an diesen armseligen Gesteinstrümmerfeldern verhungert niemand. Jeder Berber bestellt sein kleines Ackerstück, und die Palmen tragen reichlich Frucht von Datteln. Welche unendliche MarokkoArbeit aber, bevor sie ihre kleinen Felder mit der wenigen Krume angelegt haben. Dabei haben sie mit ihrer Hände Arbeit Stein für Stein, ob groß oder klein, von ihren Feldern gesammelt und sie zu kleinen Begrenzungsmauern aufgestapelt.

Und dann, nach jeder Wanderung am frühen Nachmittag, bevor unsere acht Mulis von ihren großen Taschen voller Gepäck, Wasserkanistern und Proviant befreit wurden, hatten flinke Berberhände Steine beiseite geräumt, um die Teppiche auszubreiten, auf denen das Abendessen im Mannschaftszelt serviert wurde.

Wichtig war für uns, dass unsere Rastplätze wieder so sauber verlassen wurden, wie wir sie antrafen, unsere Grundnahrungsmittel nicht aus dem Ausland beschafft wurden und auch sonst den Menschen hier vor Ort unser Geld zugute kam.

MarokkoDabei zauberte Hamou, unser Begleiter und Koch aus Tagdilt, dem Ausgangspunkt unserer Trekking-Tour, täglich aus frischem Gemüse und Obst ein leckeres Essen. Und dann diese Suppe mit dem ständig frisch gebackenen Fladenbrot, wirklich ein Genuss. Zum Abschluss eines jeden Tages wurden am Lagerfeuer oder dem Gemeinschaftszelt spirituelle Lieder gesungen. Stimmungsvoll von einer Fidel und Trommeln begleitete Songs, die von schwarzen Sklaven handelten und weit in die dunkle Nacht hinaus zu hören waren.Marokko

Oft habe ich mich dann davon geschlichen, habe mich weit ab auf einen Felsen oder inmitten der bizarren Dürrewelt gesetzt. Habe mir dann vorgestellt, wie es wohl sein möge, wenn jetzt in der untergehenden Sonne eine Wolke Regen brächte. Sah dabei vor meinem geistigen Auge einen mächtig bunten Regenbogen, dessen Farbpalette das Nirgendwo in dieser unbegreiflichen Weite überspannen würde. Einer Weite im Meer aus Stein und Felsen, die von der untergehenden Sonne rot gefärbt wurde. Die spröde und ausgemergelt war und jedes Leben abweist. Und dann Regen, jetzt Regen. Die Natur würde erwachen und zu nicht geahnter Farbenvielfalt geradezu explodieren.

Während sich Brahim unsere Erinnerungen anhört, serviert Fatima auf einer Tonschale mit konischem Deckel „Tadschin“, dampfendes Gemüse mit selbst geschlachtetem Ziegenfleisch. Zu uns hocken sich die mittlerweile zum Mittagessen eingetroffenen Familienmitglieder. Nur Brahims Frau fehlt. Sie hat vor einiger Zeit eine Fehlgeburt gehabt. Brahim ist 28 Jahre alt, seine Frau wird bald dreizehn.

Gerd Krauskopf

 

Infos:

Wanderungen

im Djebel-Saghro-Massiv sollten stets von einem erfahrenen Einheimischen begleitet werden, da das Gelände unwegsam und unübersichtlich ist. Die einzelnen kleinen Ortschaften liegen weit auseinander und Markierungen gibt es nicht.

Beste Jahreszeit

für eine solche Trekkingtour sind Winter und Frühjahr.

Auskunft:

Staatliches Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Graf-Adolf-Strasse 59, 40210 Düsseldorf, Tel: 0211-370551, geöffnet Mo-Fr 09:00 – 16:00 Uhr.

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