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Laos

Auf dem Mekong unterwegs in Laos -  

eine Reise in vergangen geglaubte  Zeit

LaosLuang Prabang am frühen Morgen: Die Luft ist kühl, der Himmel noch fast schwarz mit einem leichten blau-grauen Schleier, der den kommenden Tag ankündigt. Eine Gruppe Touristen kniet am Straßenrand, wird von ihrem Guide fotografiert. Einheimische Frauen und Männer sitzen oder stehen daneben, Bambuskörbchen mit Obst, Klebereis oder anderen Speisen in ihren Händen. Es ist still, geredet wird kaum, auch dann nicht, als am Horizont aus dem Frühnebel orange Punkte auftauchen, die sich in langer Reihe auf die Wartenden hin bewegen. Aus der Nähe entpuppen sie sich als barfüßige und kahlgeschorene Mönche, die ihre Bettelgefäße von den Spendern am Straßenrand füllen lassen. Bei denen bedanken sie sich nicht, sondern ziehen in würdevollem Schweigemarsch weiter zum Königstempel Wat Xieng Thong.

 Guillermo, gebürtiger Spanier und stolzer Manager des in unmittelbarer Nähe gelegenen Hotels „Xieng Thong Palace“ erklärt seinen Gästen, was es mit diesem allmorgendlichen, anrührenden Schauspiel auf sich hat: „Das Almosengeben-Dürfen ist eine Auszeichnung in der laotischen Philosophie der guten Taten. Wer spendet, kann dem buddhistischen Glauben an das Karma zufolge mit einer höheren Einstufung in seinem nächsten Leben rechnen.“ Das Hotel, das Guillermo heute managt, war einst der Wohnsitz von Sisavang Vatthana, dem letzten König von Laos. 1975 endete nach 622 Jahren die Monarchie in Laos und die Laotische LaosRevolutionäre Volkspartei übernahm die Macht. Der König, seine Frau und ihr ältester Sohn wurden wegen angeblicher regierungsfeindlicher Umtriebe in ein Umerziehungslager gebracht, aus dem sie nicht mehr zurückkehrten.

 „Als ich vor 10 Jahren zum ersten Mal hierher kam und auf die Ruinen blickte, aus denen mein Hotel entstehen sollte, hatte ich wenig Hoffnung. Die Gebäude waren verwahrlost, das ganze Gelände von Urwaldvegetation überwuchert“, erzählt uns Guillermo, als wir nach dem frühen Defilee der Mönche beim Frühstück sitzen. Wir sind tags zuvor mit einem kleinen Boot der „Luang Say Mekong Cruises“ von Houay Xay im Norden des Landes nach einer Zweitagesreise den Mekong abwärts in der ehemaligen Königsresidenz angekommen. Dabei haben wir archaische Dorfgemeinschaften kennen gelernt, gesehen, wie der Fluss  schmaler und schmaler  wird, dichter Urwald und Karstgebirge schließlich immer näher rücken und LaosWasserbüffel sich auf die Sandbänke am Ufer schleppen. Am frühen Morgen des zweiten Tages fielen die ersten Sonnenstrahlen durch den noch dichten Nebel auf eine Gruppe von vier Elefanten mit einem Mahout am Ufer – einer der schönsten Augenblicke dieser Reiseetappe.

Nun gilt es zumindest einigen der mehr als 30 Tempel in Luang Prabang einen Besuch abzustatten. Der „Wat Xieng Thong“ mit seinen nahezu auf den Boden schwingenden Dächern Laosist einer der schönsten. Das matte Gold der holzgeschnitzten Giebel und das Rot der Tempelsäulen glänzen in der Sonne. An der südlichen Giebelseite blüht der Flammenbaum des LaosLebens als Glasmosaik. Mehrere Kapellen flankieren die Pagode an der Ostseite, in einer findet sich ein seltenes Bildnis des liegenden Buddhas bei seinem Eintritt ins Nirwana. In der Begräbniskapelle bewundern wir den mit sieben Naga-Schlangen verzierten Bestattungswagen der Königsfamilie, bevor  uns im „Wat Visounarath“ zahlreiche stehende, teils sehr alten Buddha-Statuen begegnen, deren Hände eng an den Körper gepresst sind, während die Finger zum Boden weisen. Die Pose - eine Bitte um Regen - findet man in keinem anderen buddhistischen Land. Viele Tempel später und schon mit müden Füßen arbeiten wir uns am frühen Abend noch die 328 Stufen auf den Tempelberg Phou Si hinauf, um von dort die Sonne im Mekong versinken zu sehen. Hier oben ist allerdings mit der am Tag erlebten friedlich-ländlichen Atmosphäre vorbei: Heerscharen von Touris kämpfen um den besten Foto-Spot.

Die Hauptstadt

„Wo bitte ist denn hier das Zentrum“? Der so Angesprochene entpuppt sich als Münchner Aussteiger und schaut uns verwundert an: „Ihr seid hier zwar in Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Aber die ist immer noch ein großes Dorf. Und ihr steht  mitten im Zentrum“.  Im Vergleich zu dem mit Unesco-Geldern prächtig herausgeputzten  Luang Prabang wirkt die Hauptstadt, die noch immer als stillste Asiens gilt, mit ihrem Ensemble von verfallenen und restaurierten Kolonialhäusern sowie sozialistischen Möchte-Gern-Prachbauten auf den ersten Blick morbide. Auf den zweiten hingegen authentisch und liebenswert – asiatische Beschaulichkeit mit einem Schuss französischen Kolonialflair. Die Einheimischen freuen sich angesprochen zu werden, sind hilfsbereit und dankbar, dass wir ihrer Stadt einen Besuch abstatten. Und der täglich am LaosMekong aufgebaute Nachtmarkt ist noch keine reine Touri-Veranstaltung mit Billig-Imitaten wie an vielen Orten Asiens. Hier wird noch wenig Englisch gesprochen, man sieht deutlich mehr Einheimische als Touristen. Und direkt dahinter, an der Uferpromenade aerobict die Jugend zu Rockrhythmen. Wir beobachten das  muntere Treiben bei einem Sundowner aus der Bar „Bor LaosPen Nyang“ im vierten Stock: abgewetzte Holztische, tolle Cocktails wie z. b. den „Vientiane Sling“, gute Musik und eben ein toller Ausblick auf Nachtmarkt und den Mekong. Der imponiert jetzt in der Trockenzeit wie ein kleines Rinnsal, aus dessen zwei Kilometer breitem Flussbett die große Sandinsel Don Chan auftaucht. Wir treffen Ruth, eine erfahrene Op-Schwester aus der Schweiz, die sich eine viermonatige Auszeit gönnt und am nächsten Tag weiter nach Kambodscha möchte. „Ihr müsst euch unbedingt auch  diesen skurrilen Buddha-Park ansehen“, gibt sie uns für den nächsten Tag mit auf den Weg.Laos

„Okay, dann fangen wir mit dem gleich an. Denn später wird es dort zu heiß“, erklärt sich unser Führer Soun am Morgen mit unserem Plan einverstanden. Wir fahren 25 km südöstlich, zum großen Teil auf einer Schotterpiste. „Geld für eine Asphaltdecke fehlt, aber damit die Dorfgemeinschaften zu beiden Seiten nicht völlig im Staub versinken, wird die Piste mehrmals am Tag gewässert“, erklärt Soun, der exzellent Englisch spricht. Warum? Die recht lange Fahrt gibt ihm Zeit seine persönliche Geschichte zu erzählen, die ebenso traurig wie typisch ist für diese von Kriegen und politischen Umbrüchen gezeichnete Region Indochinas: 1975, nach der kommunistischen Machtübernahme, floh seine Familie nach Thailand, verbrachte vier Jahre dort in einem Flüchtlingscamp. Hier wurden er und sein jüngerer Bruder geboren. Über eine katholische Hilfsorganisation gelangte die Familie in die USA, lebte dort 13 Jahre zusammen, zunächst in Chicago, dann in Fresno. Am Ende riss die Entscheidung für die ein oder andere Welt die Familie entzwei: Die Mutter blieb mit ihren beiden inzwischen mit Amerikanern verheirateten Töchtern in den USA, Soun kehrte mit Vater und Bruder in die alte Heimat zurück.

LaosRuth hatte recht, der Park „Wat Xieng Kuan“ mit seinen teils überdimensionalen Wesen der hinduistisch-buddhistischen Mythologie und der laotischen Sagenwelt  ist wirklich ebenso skurril wie beeindruckend. Der 1996 verstorbene Mönch Luang Pho Bounleua Soulilat legte ihn in den 1950er Jahren mit Unterstützung wohlhabender Familien an. Auch er floh 1975 nach Thailand. Gleich am Eingang der Tempelstadt erhebt sich der Tempel der Geisterstadt, nur durch das aufgerissene Maul eines Nyak-Wächterriesen gelangt man ins schummrige, nur von kleinen Fensteröffnungen erhellte  Innere. Unten die Ebene der weltlichen Begierden und des Leidens, versinnbildlicht durch Figuren, die sich unter Schmerzen winden. Eine Wendeltreppe höher beginnt bereits die Suche nach dem tieferen Sinn des Lebens, bevor auf dem Dach schließlich als Symbol für die Erlösung von weltlichem Leid ein Bodhi-Baum der Erleuchtung in den Himmel wächst. Von hier oben bleibt der Rundumblick zunächst an einem riesigen ruhenden Buddha und einem furchterregenden Nyak  hängen, der eine wehrlose Frau entführt. In der Ferne, nahe dem Mekong-Ufer blickt Pha Ouma, die Mutter der Unterwelt bedrohlich auf die Besucher. Gleich daneben der dreiköpfige Elefant Erwan als steinernes Sinnbild der drei ehemaligen laotischen Königreiche: Luan Prabang, Vieng Chang und Champasak. Zurück in Vientiane machen wir noch einen Steifzug zu den buddhistischen Highlights der Stadt, bewundern den berühmten Smaragd-Buddha im „Wat Ho Prakeo“ und den niemals zerstörten, daher in seiner ursprünglichen Form erhaltenen ältesten Tempel „Wat Si Saket“. Er überstand Laossowohl die Eroberung durch die Siamesen schadlos, als auch die spätere Plünderung der Stadt durch chinesische Ho-Banditen. Der Volksglaube schreibt den über 10.000 Buddha-Figuren eine vor Ungemach schützende Wirkung zu. Die riesige, blattgoldverzierte und uns im gleißenden Sonnenlicht schon von weitem entgegen leuchtende Stupa „That Luang“ ist der würdevolle Abschluss unseres Vientiane-Besuchs. Das im Staatswappen abgebildete Nationalheiligtum soll Knochensplitter von Buddhas Brustbein beherbergen.

LaosAn der Grenze zu Kambodscha

Szenenwechsel, „Khong Phapheng“, Getöse des Mekong – ein donnerndes Naturspektakel ganz im Süden, an der Grenze zu Kambodscha: Hier bildet der zuvor träge fließende Mekong die größten Wasserfälle Südostasiens und stürzt auf einer Breite von mehreren Kilometern bis zu 15 Meter in die Tiefe. Hier endete 1866 jäh die Expedition der französischen Kolonialmacht, die zum Ziel hatte einen Handelsweg auf dem Weg nach China zu finden. Um ihren Traum von einer fließenden Seidenstraße doch noch realisieren zu können, bauten die Franzosen später eine Verladestation auf der Mekonginsel Khon und verlegten 10 Kilometer Eisenbahnschienen durch den Dschungel. Die einzige Lok, die je in Laos gefahren ist, steht heute in einem Mini-LaosFreilichtmuseum am Rande des Örtchens Ban Khon. Nach unserem Besuch dort schlendern wir begleitet von neugierigen Kindern durch den beschaulichen Ort, dessen Holzhäuser noch Laosimmer einen Hauch von Kolonialatmosphäre verströmen. In einem Longtailboat schippern wir durch das Gebiet der 4000 Inseln nordwärts, hier ist der Mekong bis zu 14 Kilometer breit, die von den Franzosen angebrachten steinernen Markierungspfosten führen auch heute noch durch die zahlreichen Stromschnellen. Fischer stehen mit ihren Netzen im seichten Wasser  oder werfen sie auf dem Fluss von ihren Einbaumbooten aus, Wasserbüffel tauchen öfter unmittelbar neben dem Boot auf, Fischreiher staken Laosdurchs Schilf, Frauen bestellen die Felder am Ufer, Kinder tollen in ihrer Nähe herum. Wir fahren in den Sonnenuntergang hinein.

Irgendwo unterhalb eines der kleinen Dörfer wartet die „Vat Phou“ auf uns, für die nächsten drei Tage unser schwimmendes Hotel, eine Barke mit nur 12 Kabinen. Von deren lackiertem Holzdeck aus, das wie eine große Veranda anmutet, blicken wir auf das ruhige Wasser, lassen Laosuns verwöhnen mit laotisch-französcher Küche, wandern durch breite Sandbänke zu Dörfern, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint: Hier Männer, die Netze flicken, dort Frauen und Mädchen an Webstühlen oder auf Erdnussfeldern, herumtollende Kinder, von denen manche nackt bäuchlings eine Düne ins Wasser hinunter rutschen, freilaufende Schweine und Hühner. Einziges Zeichen der Neuzeit sind die Satellitenschüsseln, die neben den auf Stelzen gebauten Bambushäusern im Garten stehen. „Hoffentlich werden die hier nicht von all den blödsinnigen Talkshows aus Amerika überflutet und verdummt“, befürchtet Terry, pensionierter Neurochirurg aus Nottingham. Dem gelingt es immer wieder, die unsere Spaziergänge Laosneugierig begleitenden Dorfkinder durch allerlei Späße zu herzhaftem Lachen zu bringen. So auch im Dorf „Ban Oup Mong“, von wo ein kurzer Spaziergang zu den Ruinen eines Khmer-Tempels aus dem sechsten Jahrhundert unter uralten Bäumen führt.  Ein stiller, verwunschener Ort.

Ganz anders in „Wat Phou“ am nächsten Morgen. Hier wimmelt es von Besuchern, viele Hindus sind anlässlich des Neujahrsfestes angereist. Wohl von den Cham im fünften Jahrhundert gegründet, erhielt die Kultstätte ihre heutige Gestalt im siebten Jahrhundert von den Khmer. Mit Angkor Wat im heutigen Kambodscha verband sie einst eine etwa 250 Kilometer lange Straße.. In „Wat Phou“ gefundene Sanskrit-Schriften deuten darauf hin, dass der Tempel schon 200 Jahre vor der Gründung Angkors die vielleicht bedeutendste Kultstätte der Khmer-Könige war. LaosWir entdecken von Lotosblumen bedeckte Wasserreservoirs für rituelle Waschungen, Männer- und Frauenpavillons, Elemente, die sich auch in „Angkor Wat“ finden. In beiden Gebäuden finden sich gut erhaltene Reliefs mit Darstellungen der Hindu-Gottheiten Vishnu, Brahma und Shiva. Wir klettern in der Sonne die verwitterte, von knorrigen Frangipani-Bäumen gesäumte Steintreppe hinauf bis zum Haupttempel. Einst Shiva gewidmet thront in dessen  Innerstem nun ein großer sitzender Buddha, vor ihm drei ebenfalls sitzende kleinere Exemplare, alle Vier mit weltentrücktem Lächeln und den halb geschlossenen Augen der Erkenntnis.

Am Nachmittag geht die Zeit auf dem Schiff zu Ende, seine Gäste verabschieden sich voneinander mit den unterschiedlichsten Zielen: Vietnam, Kambodscha, Myanmar, Thailand…Wir wollen die ländliche Ruhe noch ein paar Tage genießen und unsere vielen Eindrücke Laosverarbeiten, bleiben auf der Mekong-Insel Don Daeng. Der „Katamaran“ der „La Folie Lodge“ macht an der „Vat Phou“ fest und wir entern ihn mitsamt Gepäck. Er besteht aus zwei Einbaumbooten, die mittels Holzplanken verbunden wurden. Auf der so entstandenen Plattform finden zwei Plastikstühle für uns und unser Gepäck Platz. Das Gefährt legt an einer weitläufigen Sandbank an, etwa hundert Meter von uns entfernt steigt gerade eine Herde Wasserbüffel aus dem Wasser. Mit Trecker und Anhänger geht es weiter bergan zur Lodge, deren Bungalows im laotischen Stil erbaut sind und die zentraler Bestandteil eines gelungen Ökotourismusprojekts ist: Die Dorfbewohner beliefern das Hotel mit ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen, dessen Einkünfte verbessern die Infrastruktur des Ortes. So wurde beispielsweise die neue Grundschule im wesentlichen mit Mitteln der Lodge erbaut, auf drei gut Laosmarkierten Fahrradwegen lassen sich nicht nur Natur und ländliches Leben erkunden, sondern wir kommen immer wieder hautnah in Kontakt mit  Einheimischen. Und nicht wenige der Kinder hier sind stolz, sich mit uns in gerade erlerntem Englisch zu verständigen. Ein paar Sundowner mit Blick auf die im Mekong und über dessen Sandbänken untergehende Sonne bleiben uns noch, bevor diese buddhistisch geprägte, erholsame Zeitreise endet.      

Uwe Junker 2014

   

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