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Neckar/Main/Rhein

Kurztripp für die Seele

Deutschland, Heidelberg „Memories of Heidelberg“, der alte Schlager aus den berühmten ´68er Jahren von Peggy March geht mir nicht aus dem Sinn, wie ich da pfeifend den „Schlangenweg“ am Sonnenhang des Heiligenberges hinauf gehe.

Oft habe ich den Schlager damals in den Hitparaden gehört. Und heute hier steil hinauf zum Heidelberg ,„Schlangenweg“„Philosphenweg“ hoch über Heidelberg, da ist er wieder präsent. Jetzt, am späten Nachmittag dieses Frühherbsttages muss ich beim Dämmerlicht dieses engen steilen, sich schlangenförmig windenden Fußweges zwischen den hohen Natursteinmauern aufpassen, dass ich nicht auf dem unregelmäßigen Buckelpflaster stolpere. Und zwischendurch, wenn der Atem ob der Steigung zu schwer geht und der Blick ins Neckartal über steil abfallende Obstwiesen, Weinreben und exotische Pflanzen frei ist, bleibe ich stehen, um die Landschaft zu genießen.

Und dann habe ich es geschafft. Stehe auf diesem Naturbalkon des Philosophenweges, auf dem so manche Berühmtheit vielleicht mit seinem Schatz im Arm in Verzückung geraten ist. So wie ich jetzt. Da kann ich meinen Blick gar nicht mehr abwenden von den Sonnenuntergangsansichten der alten Neckarbrücke, dem barocken Häusergewirr der Altstadt und dem Renaissanceschloss. Jetzt bringt die Abendsonne das malerische Ensemble mit dem roten Neckartaler Sandstein perfekt zum Strahlen. Zieht diese Kulisse – der von Dichtern und Malern geprägte Inbegriff der Romantik  – mit seinen engen, verwinkelten Gassen mit kleinen Geschäftchen und mit jeder Mengen Kneipen, die ihr Gesicht von facettenreicher Studentenseligkeit bis heute erhalten haben, Besucher aus aller Welt an

Lange sitze ich hier auf einer Bank und lasse die Seele baumeln. In solch einem Moment denke ich darüber nach, dass mein Schatz und ich es richtig gemacht haben, mal kurz für ein paar Tage auszuspannen und dabei von Remscheid aus nicht allzu weit fahren wollten. Der Süden Westdeutschlands sollte es sein. Da habe ich einen alten Freund angerufen, der in Heidelberg wohnt. War ich doch noch vor einigen Wochen mit ihm im hohen Norden Finnisch Lapplands zum Fliegenfischen unterwegs. Und da Heidelberg gerade jetzt im Frühherbst besonders ausgebucht ist, empfahl er mir am Telefon vor ein paar Tagen ein kleines Hotel in der Altstadt. „Nichts besonders,“ meinte Freund Kurt am Telefon, „aber du gehst aus der Haustüre heraus und bist mitten in der Altstadt. Und dabei gibt’s unten noch eine richtig gute Studentenkneipe.“ Nur leider war ein Doppelzimmer nur noch für zwei Übernachtungen zu bekommen. Aber das war uns egal. 

Heidelberg, SchlossBevor es hinunter geht ein letzter Blick auf die Fassade des Schlosses mit ihren Fenstern, durch die man selbst von hier oben durchschauen kann, denn es gibt nur im Erdgeschoss ein Dach. Lange haben die Verantwortlichen darüber diskutiert, ob man das Schloss in seiner ursprünglichen Schönheit wieder aufbauen sollte, nach dem es im Pfälzer Erbfolgekrieg 1689 und 1693 von französischen Truppen zerstört wurde. Selbst die Amerikaner haben bei der Bombardierung deutscher Städte Heidelberg größtenteils mit dem Blick darauf verschont, hier Standseilbahn Heidelbergihr Hauptquartier einzurichten.  Und so bestaunen heute Besucher – die sich bevorzugt von der ältesten Standseilbahn ihrer Art zum Schloss hoch ziehen lassen - das untere Geschoss aus der Epochenübersicht von Gotik und Renaissance. Heidelberg, ApothekenmuseumNicht ohne einen Blick auf das frei zugängliche Apothekenmu- seum und das größte Wein- fass zu werfen, in dem einst 221 726 Liter Wein gelagert werden konnten. Eine Sage behauptet, dass ein kleiner, nur einen Meter großer und satte 100 Kilogramm schwerer Zwerg mit Namen Perkeo, den der damalige Kurfürst als Hofnarren und Wächter Heidelberg, großes Weinfassdes Weinfasses aus Tirol mitgebracht haben soll, das Fass leer trinken sollte. Er war aber nur gewohnt, 15 Flaschen Wein pro Tag zu trinken. Und so soll er es nicht geschafft haben. Geschafft hat ihn aber ein Glas Wasser, das ihm sein Arzt statt des vielen Weines dringend empfohlen hatte. Und dass soll ihm beim ersten Schluck bereits sein Leben gekostet haben. Heute führt eine Holztreppe aufs Fass, das von asiatischen Besuchern gerne als Fotomotiv genutzt wird.

Bei unserem letzten Frühstück in Heidelberg sitzen wir noch einmal in unserer urigen Studentenkneipe, deren Bilder an den Wänden an die gute alte Studentenzeit erinnern. Aber nicht nur die vielen alten, vergilbten Fotos der "Schlagenden Verbindungen" an den alten Holzvertäfelungen bringen Atmosphäre, sondern auch die einfachen Holztische mit den unzähligen urigen Einkerbungen. Und wie wir dann den Kellner – natürlich ein Student – fragen, was der Kneipennamen „Schnookeloch“ bedeute, da sagt er uns, dass Heidelberg, Studentenkneipedieser Grund hier einmal ein Sumpf- und Überschwemmungsgebiet des Neckars war, der von Schnooken, Schnaken, Stechmücken, verseucht war.

Wie übrigens das ganze Neckartal einst. Und zu dieser Zeit zog man über die Höhen des Odenwaldes, der vom Neckar durchflossen wird. Heute sind die Sümpfe trocken gelegt und schöne kleine Städtchen mit ihren hübschen Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen – von Schlössern und Burgen überthront – laden Besucher ein. Auch wir genießen bei herrlichstem Sonnenschein diese romantische Fahrt auf der gut ausgebauten Bundesstraße, die mit ihren trotzigen Burgen als „Burgenstraße“ ausgewiesen ist.

NeckarsteinachHätten wir nicht in Heidelberg gewohnt, so wäre Neckarsteinach eine gute Alternative gewesen. Da sitzen wir gemütlich auf der Sonnenterrasse des Hotel-Cafés „Vierburgeneck“ gleich am Neckarufer auf hessischem Gebiet und schauen über den Fluss auf Baden Württemberg. Und während ein Lastenkahn flussaufwärts fährt, zieht flussabwärts das schneeweiße Personenschiff „Heidelberg“ mit einigen Ausflüglern auf dem Sonnendeck nach Heidelberg an uns vorbei. Dann ist wieder Ruhe auf dem Fluss, über dem alleine vier Burgen über dem kleinen Örtchen Neckarsteinach thronen. „Wir haben hier die größte Burgendichte des Neckartales,“ strahlt Josef Schachten. „Die erste Burg hier vorne, Burg Schadeck, klebt wie ein Schwalbennest am steil abfallenden Bergmassiv und ist die jüngste aller vier. Deshalb wird sie im Volksmund auch „Schwalbennest“ genannt. Weiter hinten die Hinterburg, die seit der Erbauung durchgängig bewohnt und im Besitz des Barons von Warsberg ist. Und dort hinten,“ da zeigt der freundliche Hotelier und Konditor mit ausgestrecktem Arm auf die letzten beiden Burgen, „dort sehen sie die Mittelburg und dahinter die Vorderburg mit ihrem mächtigen Bergfried und dem dreistöckigen Palas, die sich ebenfalls in Privatbesitz befindet.“

Wie wir dann bei einem guten Kaffee den leckeren, täglich frisch gebackenen Kuchen des Hauses gekostet haben, führt uns die Straße nach längerer Pause nach Hirschhorn. Da lassen Hirschhorn am Neckarwir unseren Wagen am ausgewiesenen Neckarparkplatz stehen. Wohl in der Annahme, dass wir das Hinweisschild „Überschwemmungsgebiet“ heute großzügig übersehen können. Bietet doch das hübsche hessische Städtchen an der Doppelschleife des Neckars eine hübsche Einkaufsgasse mit verwinkelten Fachwerkhäusern. Vom Marktplatz mit der katholischen Pfarrkirche Maria Immaculata führt uns der Weg zum ehemaligen Karmeliterkloster mit der Kirche. Den steil ansteigenden Weg hinauf zur Burg Hirschhorn, dessen Mauern der Vorburg mit denen der Stadtbefestigung verbunden sind, sparen wir uns.

Die Zwingenburg Von der bedeutenden Vergangenheit hat die ehemalige Raubritterburg Zwingenberg auch viel zu erzählen. Wurden die Herrschaften doch 1363 von ihrem Sitz im Auftrag des Kaisers vertrieben und die Burg geschliffen, so bauten die Herren von Hirschhorn Anfang des 15. Jahrhunderts auf den ehemaligen Mauern ein prächtiges Schloss wieder auf.

Nicht weit davon entfernt steht wehrhaft Burg Hornberg auf einem steilen Bergsporn über dem kleinen Städtchen Neckarzimmern. Jenes Gemäuer, das Götz von Berlichingen, dem Ritter mit der Eisernen Faust, zum eigenen Gefängnis wurde. Hatte er sich doch während der Bauernkriege für die falsche Seite entschieden und sich dafür „Hausarrest“ eingehandelt, den er vermutlich nur mit Hilfe seines eigenen Weines ertragen konnte und damit „steinalt“ wurde. Noch zu Lebzeiten verfasste der schwäbische Reichsritter seine Lebensgeschichte, die Goethe für sein Schauspiel „Götz von Berlichingen“ zur Vorlage diente. Heute residiert in der romanischen unteren Stauferburg hinter drei Meter dicken Mauern der Burgherr Baron Dajo von Gemmingen-Hornberg und betreibt ein Weingut, das auf eine mehr als 1500-jährige Geschichte zurück blickt. Vom oberen Burgteil, in dem Götz einmal residiert hat, sind neben dem Turm nur noch die Außenmauern erhalten.

Bad WimpfenBad Wimpfen, die Kurstadt im Landkreis Heilbronn, empfängt uns schon von weitem mit seinem Bad Pimpfen, „Blauen Turm“, der inmitten der einstigen mittelalterlichen Stauferpfalz und späteren Freien Reichsstadt eingerahmt ist von hübschen engen Gassen und wunderschönen Fachwerkhäusern. Und wie wir dann vor diesem monströsen Turm stehen und ein kleines Schild an der Türe darauf hinweist, dass der Turm bestiegen werden kann, da streikt mein Schatz ob der 167 Treppen auf 53 Meter dort hinauf. Ich hingegen steige los und stehe irgendwann keuchend vor der Tür der einzigen Türmerin Deutschlands, Blanca Knodel, und zahle meinen kleinen Obulus. Dabei Bad Pimpfen, Blauer Turm, Blanca Knodel kommen wir über die Aufgaben einer Türmerin ins Gespräch. „Früher,“ so meint diese freundliche Dame, „mussten meine Vorgänger nach Feinden und Feuer Ausschau halten.“ Und dann lädt sie mich zu einem Kaffee in ihre 53 Quadratmeter große Turmwohnung ein, in der sie 1996 mit ihren zwei Töchtern und einem Sohn hier hoch oben eingezogen ist. „Auch mein Mann war Türmer,“ lacht sie, „der ist noch vor der Geburt meiner Tochter Katja 1987 türmen gegangen.“  Und irgendwann ist dann ihr Lover bei ihr eingezogen, und dabei grinst sie spitzbübisch und erzählt von ihrem Tom Tom, einem roten Kater. „Manchmal kommen Gäste hier hinauf und fragen nach Tom Tom, für den sie leckeres Katzenfutter mitgebracht haben.“

Bad Pimpfen, Blick vom Blauen Turm

Nach herzlicher Verabschiedung steige ich dann die letzten Stufen hinauf zur Plattform, von der ich eine traumhafte Aussicht über das Neckartal mit dem Odenwald habe.

Wir fahren ein Stück zurück und verlassen die „Burgenstraße“. Unsere Reise soll durch den Odenwald bis nach Miltenberg gehen. Nicht aber, um vorher  noch einen kurzen Blick nach MosbachMosbach in den Hauptort des Neckar-Odenwald-Kreises geworfen zu haben. Auch hier werden wir von reichem Fachwerkbestand überrascht. Wobei das Palm’sche Haus vom Anfang des 17. Jahrhunderts zu den schönsten Gebäuden dieser Art in Süddeutschland zählt und das Haus Kickelhain mit seinen 52 Quadratmetern und drei Etagen eines der kleinsten freistehenden Fachwerkhäuser in Deutschland sein könnte.  

MiltenbergDa wir in Miltenberg kein Zimmer mehr bekommen, fahren wir in Richtung Heimat und legen einen mehrtägigen Stopp in Lorch am Rhein ein in unserem geliebten „Hotel Schulhaus“, in dem wir schon so oft logiert haben. Bei langen Spaziergängen inmitten von Rebgärten hoch über dem Lorch, Hotel SchulhausRheinufer lassen wir noch einmal unsere schönen Urlaubstage im reizvollen, beseelten Neckartal Revue passieren.

                                           Gerd Krauskopf

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