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Rheinsteig, unser Teilstück 2

Auf und nieder, immer wieder...

Der Rheinsteig - Teil 2

von Königswinter bis Rheinbrohl

Rheinsteig

Weltberühmt ist er, der Drachenfels. Und da stehen wir nun für eine erneute Etappe am Fuße des geschichtsträchtigen Flecken und werden ihn gleich erklimmen.

Haben wieder einige Regentage zu Hause abgewartet nach unserem ersten Teil von Bonn bis Rheinsteighier nach Königswinter. Heute soll es bei diesem wunderbar stahlblauen Himmel mit leichten Sommerwolken dann in mehreren Etappen von Königswinter über den Rheinsteig bis nach Bad Honnef gehen.

 Zuerst einmal haben wir aber einen knackigen Berg vor uns. Und den wollen wir natürlich zu Fuß erklimmen, obwohl parallel dazu die älteste Zahnradbahn Deutschlands mühelos hinauf fährt. Und das jetzt schon seit 125 Jahren mit großem Erfolg. So haben sich bis heute auf diesen 220 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 1,5 Kilometern über 30 Millionen Passagiere aus aller Welt befördern lassen.

Nun, wir nicht. Das geht gegen unseren Sportsinn. Da wandern wir etwas schwerer atmend auf halber Strecke vorbei an der verschlossenen Nibelungenhalle, die im Jahre 1913 als Gemäldemuseum zum 100. Geburtstag Richard Wagners eröffnet wurde. Und glaubt man der Sage, so soll Siegfried hier heldenhaft den Drachen erschlagen haben.Rheinsteig

Weniger spektakulär geht’s jedenfalls für uns weiter hinauf auf den Vulkanberg bis kurz unter dem Gipfel. Da legen wir einen kleinen Fotostopp ein. Denn nur an dieser einen kleinen Stelle ist der Blick durchs Blätterdach weit übers Land frei. Da liegt unter uns die Drachenburg auf Rheinsteighalber Höhe des Drachenfels, die am Ende des 19. Jahrhunderts für den Pariser Finanzier Stephan Sarter gebaut wurde. Und weit hinten ziehen Rheinschiffe und Lastenkähne friedlich auf dem viel besungenen Strom ihre Bahnen. Vergeblich suchen wir den leicht dunstigen Horizont ab nach den beiden Türmen des Kölner Doms.

Und nur ein paar steile Meter weiter ist es dann soweit. Da genießen wir von den Resten des Bergfrieds der Ruine Drachenfells den schönen Blick auf Bad Honnef und die Rheininseln Grafenwerth und Nonnenwerth mit einem großen Schluck aus unserer Wasserflasche.

Später schenken wir uns den Abstieg nach Rhöndorf. Nur um das dortige Konrad- Adenauer-Haus zu betrachten, steigen wir nicht wieder komplett hinunter auf Rheinhöhe, um später wieder auf dem Rheinsteig zur Löwenburg auf unser jetziges Niveau zu klimmen. Da kenne ich den Weg besser. Und so wandern wir leichten Fußes nach kurzem Abstieg auf fast gleicher Höhe hinüber zum Milchhäuschen, das wildromantisch mitten im Wald liegt und freuen uns auf einen Cappuccino.Rheinsteig

Wenig später machen wir uns auf den Weg zur Löwenburg, um wieder auf den Rheinsteig zu treffen. Die einst mächtige Burg hier wurde Ende des 12. Jahrhunderts von den Grafen von Sayn als Trutzburg zur Drachenburg errichtet. Hier lassen wir uns erst einmal für eine gute Mittagsrast auf einer Bank im Schatten eines mächtigen Baumes nieder, beißen in unsere mitgebrachten Brote, genießen das leckere Wasser und den Panoramablick, der uns vom weithin sichtbaren Rothaargebirge über den Rhein hinweg in die Eifel führt.Rheinsteig

Nachdem wir viel Kraft gesammelt haben, geht’s weiter. Bergauf, bergab durch erholsame Wälder. Da genießen wir die unendliche Ruhe, begegnen nicht einem Wanderer, müssen aber jetzt lange auf den Rhein verzichten. Erst über der Anhöhe von Bad Honnef entdecken wir ihn wieder und steigen tief hinab ins Städtchen. Bei guten 35 Grad im Schatten fällt uns hier auf den asphaltierten Straßen das Laufen richtig schwer. Rheinsteig

Bei der anschließenden Schiffsfahrt auf dem Sonnendeck von Bad Honnef zurück zum Ausgangspunkt Königswinter liegen dann auch die geschundenen Füße gemütlich ohne Wanderschuhe auf dem gegenüber stehenden Stuhl.

Fast auf den Tag zwei Wochen später steigen wir an unserem Endpunkt in Bad Honnef wieder ein. Auch hier verlassen wir wieder weiträumig den Rhein und seine Ortschaften. Dafür entschädigen uns malerische Wälder auf diesem Premiumweg, den man gut in Etappen aufteilen kann, ohne seine 320 Kilometer Länge von Bonn bis Wiesbaden in einem Rutsch zu durchwandern.Rheinsteig

Bergauf, Bergab, heißt es auch jetzt wieder für uns. Da laufen wir kilometerweit durch wogendes Grün und über anmutige Kuppen, auf denen goldgelb reife Kornfelder auf ihre Ernte warten und andere, die bereits abgeerntet sind.

Schauen gespannt einem Landwirt zu, der mit seinem Altertümchen von Trecker die steilsten Stellen seines Feldes befährt. Und dann irgendwo, mitten im tiefen Wald, dicke Beton-Fundamentreste.Rheinsteig

Wir können es nicht glauben. Auf einem Schild wird uns erklärt, dass hier die Reste einer V-1-Abschussrampe zu sehen ist, deren Raketen auf London abgefeuert wurden. Kopfschüttelnd wandern wir weiter.

Lassen den Rheinsteig und Unkel rechts unter uns liegen und gehen über den Rheinhöhenweg schnurstracks zum Erpeler Ley, wo wir das kleine blaue Schildchen mit dem weiß geschlungenen Rhein als Wandermarkierung wieder sehen. Hier an diesem exponierten, Rheinsteiggeschichtsträchtigen Aussichtspunkt hoch über dem Rhein mit Blick auf Remagen auf der gegenüber liegenden Seite setzen wir uns neben einem großen Holzkreuz für eine Zeitlang auf eine Bank. Dabei denken wir an den schrecklichen Kampf um die Ludendorffbrücke, die hier den Rhein überspannte und am 17. März 1945 zusammenbrach, nach dem die deutschen Truppen sie vorher vergeblich versucht hatte zu sprengen. So diente sie vom 7. März 1945 an für 11 Tage den Amerikanern, um auf die rechte Rheinseite zu gelangen.Rheinsteig

Auf und weiter geht’s nach Burg Ockenfels. Nur leider ist sie für Wanderer nicht mehr zugängig. Eine bekannte Schuhfirma hat sie in Beschlag genommen und uns den Zugang zu ihrer schönen Terrasse seit neuestem verwehrt.

RheinsteigAlso geht’s weiter ins hübsche Fachwerkstättchen Linz und auf die Suche nach einer Übernachtungspension. Von Linz aus bringt uns das Schiff der Köln-Düsseldorfer dafür unproblematisch zu unserem heutigen Ausgangspunkt Bad Honnef und zum Wagen zurück. Mit ihm haben wir eine größere Chance, ein nettes kleines Hotel zu finden. Und außerdem müssen wir nicht das ganze Gepäck auf dem Rücken schleppen.

RheinsteigFast versteckt finden wir nach kurzer Suche ein gut geführtes Haus in einer Seitenstraße in Rheinbreitbach. Bruno Straub, ein Schweizer Gastronom, zeigt mit seiner Schweizer Fahne an seinem Haus Bergblick demonstrativ seine Herkunft. Zimmer, Schweizer Küche und Preis sind gut, und somit wird der Abend mit dem in der ganzen Welt herum gekommenen Gastronom ein wirkliches Erlebnis.

Gut ausgeschlafen geht es dann auch wieder in alt gewohnter Weise am nächsten Morgen steil bergauf zur Donatus-Kapelle. Sie wird von einem riesigen Mobilfunkmast verschandelt, der gleich neben der alten Wallfahrtskapelle errichtet wurde. Da könnte man scherzhaft auf den Gedanken kommen, dass die einen mit Jesus und die anderen mit der Welt kommunizieren.

Ganz ungewohnt für uns verläuft der Rheinsteig jetzt fast immer in Sichtweite des Rheins. Und im Park von Schloss Arenfels eine wunderschöne, hoch auf der Ebene verlaufende alte RheinsteigKastanienallee. Bis wir das stolze Schloss selbst sehen. Es liegt inmitten von Weinfeldern und einer angrenzenden Bundesstrasse auf Stelzen, deren schwere LKWs und Pkws von hier oben gesehen fast durch den Rittersaal zu brettern scheinen. Bad Hönningen selbst lädt uns auch nicht zum Verweilen ein. Da freuen wir uns eher auf den Arienheller Sprudel. Und den wollen wir in Rheinbrohl im kleinen Weiher Arienheller trinken. Doch leider werden wir hier arg enttäuscht. Da laufen wir an drei Gastwirtschaften mit wunderschönen Biergärten vorbei, die alle drei auf diesem exponierten Wanderweg geschlossen haben.

RheinsteigVerzweifelt und hoch verärgert darüber gehen wir einige Meter zurück in einen wunderschön gepflegten, schattigen Park mit einem hübschen Schlösschen. Und hoch oben aus einem der vielen Fenster blickt ein freundlich dreinschauender alter Herr zu uns hinunter, der uns gleich mit kühlem, prickelnd labendem Wasser durch seine Schwiegertochter versorgen lässt, bevor er uns Gesellschaft leistet. Es ist Ludwig von Rennenberg, der bereits unzählige Male in seiner Gemeinde auf die schlechte Koordination der Gaststätten bei den verantwortlichen vorgesprochen hat. Nur hört auf den alten, 83 jährigen, gestandenen Mann niemand.

Glücklich, mit Wasser aufgeziegelt, verlassen wir den alten Herrn und wenden uns unserer gemütlichen Rückfahrt mit dem Schiff zu. Schauen lange vom Deck des Rheinschiffes auf Rheinsteigunseren hoch oben liegenden Rheinsteig und halten die einzelnen Orte am Rhein mit der Kamera fest, die wir so nicht gesehen haben, jetzt aber im Abendlich stolz ihre Wacht halten.

Gerd Krauskopf

 

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