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Hochschwarzwald

125 Jahre Skispaß im Hochschwarzwald

Der höchste Gipfel aller deutschen Mittelgebirge war schon oft eine

Talentschmiede für Wintersportler.

Hochschwarzwald Vor 125 Jahren passierte im Hochschwarzwald an Fastnacht etwas Revolutionäres.

Da stieg ein französischer Diplomat namens Dr. R. Pilet mit komischen Holzbrettern, die vorne spitz gebogen waren, auf den 1493 Meter hohen Feldberg. Kein Mensch tat das im Winter. In Dr. R. Pilet Bärental weit unterhalb des oft von Schneestürmen umwogten Gipfels lachten ihn die feiernden Narren wegen seiner seltsamen Kleidung aus. Davon lies sich der Abenteurer jedoch nicht abhalten und stieg mit seinen "Norwegischen Schneeschuhen", wie man damals die ersten Ski mit Ursprung aus Norwegen nannte, den Gipfel hinauf. Beim Abstieg klopfte er an der Tür des gottverlassenen Gästehauses Feldberger Hof. Hier öffnete ihm Franziska "Fanny" Mayer, die aus dem seinerzeit mondänen Basel unter Lebensgefahr zu ihrem Bruder Carl in diese Schneewildnis gleich unterhalb des Gipfels geeilt war, um ihm zur Hilfe zu eilen. Seine Frau Verone hatte ihren Sohn Oskar geboren und war mit Kindbettfieber dahin gesiecht. Penibel wie Pilet war, trug er sich mit Datum vom 8. Februar 1891 ins Gästebuch ein, was heute als Geburtsstunde des Skilaufs in Mitteleuropa angesehen wird.

In Windeseile sprach sich diese Pionierleistung herum und Ärzte, Hebammen und Postboten konnten jetzt im Winter die abgelegenen Höfe ohne große Probleme mit den neumodischen Brettern aufsuchen. Norwegische Studenten eilten aus Freiburg herbei, weil sie die Bretter nicht nur als Skilaufen in früheren ZeitenFortbewegungsmittel ansahen. Ab da brachte die taffe Fanny den Feldberger Hof in Schwung. Machte aus ihm ein bedeutendes Berghotel, das schon viele illustre Gäste und Persönlichkeiten angezogen hat. Heute kommen nicht nur Gäste aus Europa auf den Feldberg, sondern auch viele Neugierige aus Japan, da sie mit easyJet günstig zum nahe gelegenen Flughafen Basel einfliegen können.

Georg Thoma und Walter StrohmeierFast siebzig Jahre nach dieser grandiosen Erfindung ist es wieder ein Hochschwarzwälder, der international Schlagzeilen macht. Georg Thoma ist das Wunderkind, das 1960 den Skandinaviern das Fürchten lehrt. Denn bis dahin haben immer nur sie den Olympiasieg in der Nordischen Kombination geholt. Und jetzt gleich dreimal hintereinander so ein kleiner Lausbub aus dem Schwarzwald, von dem man noch nichts gehört hat. Ganz bescheiden und hellwach steht heute der drahtige 78-Jährige im Skimuseum des alten Hugenhofes in seinem Heimatort Skimuseum HinterzartenHinterzarten und erklärt mit ruhig sachlicher Stimme an Hand von wertvollen Exponaten die Geschichte des Skisports. "Meine Kondition habe ich mir im Langlauf geholt", sagt er bescheiden, "in dem ich als Hirtenjunge den Schulweg von sechs Kilometer pro Strecke im Winter mit den Ski zurücklegen musste. Und im Sommer", lacht er verschmitzt, "musste ich barfuss unsere sechs Kühe mitnehmen, damit sie um das Schulgebäude herum grasen konnten. Und wenn ich dann mal kalte Füße hatte, habe ich sie mir in den frischen warmen Kuhfladen aufgewärmt.

Heute haben die Kleinsten schon perfekte Skikleidung. Genießen das Feldberger Winterparadies, das sich gerade "für Anfänger mit kindgerechten Liften und einfachen Abfahrten", wie Gundolf Thoma – Besitzer der ansässigen Skischule – betont, "anbietet. Ideal für Familien mit kleinen Kindern, die erste Pflugbögen üben." Aber auch gute Skiläufer finden ihre Schwarze Piste im Feldberger Skigebiet. Vom abgerundeten Gipfel mit dem dominanten Feldberg mit FeldbergturmFeldbergturm geht der Fernblick an diesem sonnigen Tag auf das gesamte Alpenpanorama mit Jungfrau, Mönch und Eiger, ja sogar bis hinüber zum Montblanc. Hier aber ist der Hochschwarzwald lieblich und beschaulich mit Hügeln, Wäldern und Wiesen. Weit entfernt grüßt der Schluchsee. Und inmitten der winterlichen Ruhe finden sich einsam gelegene Schwarzwaldhöfe mit ihren typisch mächtigen, tief heruntergezogenen Dächern. Alles ist sanft, Hochschwarzwaldanstatt gewaltig zu sein. Nichts ist schroff, alles wirkt abgerundet, weich und friedlich. Und doch darf man den Feldberg nicht unterschätzen. Schnell kann das Wetter umschlagen und Nebel kann - genauso wie abgehende Lawinen - zur Gefahr werden.

Darüber reden zwei alte Freunde, Hans-Otto Maier und Lorenz Dietsche, am gemütlichen Kachelofen in einem dieser urigen Höfe in Menzenschwand und lassen sich ihr Bier schmecken. Dabei kommt das Gespräch wieder auf die taffe Fanny und den Waldhüter Valentin Hans-Otto Maier und Lorenz DietscheMaier aus ihrem Dorf. Wenn er der willensstarken jungen Frau – nur bekleidet mit Rock und leichten Stiefeln - damals vor 125 Jahren nicht geholfen hätte, an jenem stürmischen Wintertag mit riesigen Schneemassen auf den Feldberggipfel zu kommen, dann wäre sie mit Sicherheit umgekommen. Darüber sind sie sich einig. Dabei hat er ihr einen Strick um die Hüfte gebunden und sie durchs gefürchtete Mareieloch vorbei an den tosenden Wassern der Menzenschwander Alb gezogen. Einige Wochen wollte Fanny nur bleiben, 53 Jahre blieb die Feldbergmutter, die Geschichte schrieb.

Gerd Krauskopf

 

Weitere Informationen:

Anreise:

Mit dem Auto:

A5 Karlsruhe-Basel, Ausfahrt Freiburg Mitte auf die B31 in Richtung Donaueschingen

A81 Singen-Stuttgart, Ausfahrt Geisingen auf die B31 Richtung Freiburg

A81 Stuttgart-Singen, Autobahndreieck Bad Dürrheim über die A864 und die B27 auf die B31 Richtung Freiburg.

Von Freiburg dann immer in Richtung Titisee auf der B500 und in Feldberg Bärental auf der B317 bis Feldberg.

Anreise mit dem Zug: Mit der DB bis nach Freiburg. Von dort fährt stündlich die Höllentalbahn nach Feldberg-Bärental. Hier holt ein Hotel-Shuttle die Gäste auf Bestellung ab.

Mit der Hochschwarzwald Card

(ab 2 Übernachtungen) kann man die Skilifte kostenlos benutzen und 70 weitere Freizeitangebote in der Region. www.hochschwarzwald.de/Card

Skikurse "Ski in a day" für Kinder ab 4 Jahren 42 Euro, Erwachsene 42 Euro. Skiausrüstung ausleihen (Carve-Ski, Schischuhe und Stöcke) 25 Euro pro Tag, mehrere Tage günstiger. Skischule Gundolf Thoma UG, Dr. Piletspur 1, 79868 Feldberg, www.thoma-skischule.de

Schwarzwälder Skimuseum Hugenhof, 79856 Hinterzarten, Telefon: 07652/982192, www.schwarzwaelder-skimuseum.de

Schwarzwälder Skimuseum

Buchtipp:

Der historische Roman "Winteräpfel" von Heidi Knobloch aus dem Silberburg-Verlag beschreibt das beschwerliche Leben im bitterarmen Schwarzwald und im Besonderen das Leben der Feldbergmutter Fanny Mayer.

Heidi Knobloch  

Veranstaltungstipp:

Am 20. und 21. Februar 2016 findet das große Jubiläums-Wochenende "125 Jahre Skilauf im Schwarzwald" statt. Am 20. die historische Dt. Alpine Skimeisterschaft der Hebammen, da sie eine der ersten Berufsgruppen waren, die Skier für ihre Berufsausübung genutzt haben. Am 21. historischer Festzug und Skiläufer mit entsprechend alter Ausrüstung. Ebenfalls geht's mit historischem Dampfzug und Oldtimerbus auf den Feldberg. An beiden Festtagen Tanztee wie "anno dazumal" im Feldberger Hof.

Wandertipp:

Vom Rinkenparkplatz führt ein schöner Weg leicht bergauf zur Baldenweger Hütte. Eine Spezialität von Angelika Scheib und Herbert Binder ist das Essen auf dem "Heißen Stein" mit Fleisch frisch von der Weide.

Baldenweger Hütte 

Allgemeine Infos:

Hochschwarzwald Tourismus GmbH, Freiburger Straße 1, 79856 Hinterzarten, Telefon 0 76 52 / 1 20 60, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , www.hochschwarzwald.de/ 

 

Fackelwanderungen in Hinterzarten  

 

 

 

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