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Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber: Laterne und Lanze gegen lichtscheues Gesindel

Rothenburg ob der Tauber Mächtige Stadtmauern und malerisches Fachwerk kommen nicht nur bei asiatischen Touristen gut an - kein Werbeschild stört den Ausflug ins Mittelalter. Urlauber treffen auf Nachtwächter, fränkische Küche und hören von Menschen mit pfiffigen Ideen

Von Gerd Krauskopf

 Nachtwächter, das war einst ein unehrenhafter Beruf, der gleich nach dem Henker und dem Totengräber kam. "Diese beiden arbeiteten ja bekannterweise nur zeitversetzt Hand in Hand", flüstert Nachtwächter Hans Georg Baumgartner voller Ironie seinem aufmerksam zuhörenden Publikum zu, das ihn auf seinem Weg durch die rabenschwarze Herbstnacht durch Rothenburg begleitet. Die gepflasterten Gassen waren auch nicht immer so sauber wie heute. Schüttete man doch früh morgens den Inhalt seines Nachttopfes einfach aus dem Fenster. "Und wehe, man war gleich darunter", scherzt Nachtwächter Baumgartner.

Rothenburg ob der TauberFest umklammert hält er eine Laterne und eine Hellebarde, eine Hieb- und Stichlanze, um sich gegen lichtscheues Gesindel und Betrunkene - wie seine Vorgänger im Mittelalter - wehren zu können. An einer Leine hängt ein Horn um seinen Hals, mit dem er in einem Brandfall drei lang andauernde Signaltöne abgab. Danach bellten alle Hunde, die Menschen schreckten aus den Betten und stürzten aus dem Haus, um zu löschen. Es konnte nichts Schlimmeres in einer mittelalterlichen Stadt passieren als ein Feuer. Und das noch in der Nacht. Nein, es gab keine gute alte Zeit, von der viele immer schwärmen, ist sich Baumgartner sicher.

Rothenburg ob der TauberDass Rothenburg ob der Tauber heute eine komplett erhaltene Stadtmauer hat, verdankt es König Ludwig I. Er war einer der Ersten, der den Denkmalschutz in seinem Königreich Bayern eingeführt hat. Wollten die Bürger sie doch liebend gerne abreißen und die Steine für ihre Rothenburg ob der TauberHäuser verwenden, weil die Stadtmauer im Prinzip keinen Nutzen mehr hatte und nur Geld kostete. Und das durften sie nun ärgerlicherweise nicht mehr. Dann wurde die Mauer ein zweites Mal gerettet, nachdem die Stadt zweieinhalb Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff zu 40 Prozent zerstört wurde. Ende der 1940er Jahre kamen pfiffige Verantwortliche der Stadt auf die Idee, in großen Zeitungen bis hin nach Amerika Annoncen zu schalten und um Spenden für die Restaurierung zu bitten. Ein Meter Stadtmauer konnte mit 40 Mark unterstützt werden. Dafür stellte man kleine Steintafeln mit den Spendernamen auf den Kasematten, den Wehrgängen, in Aussicht. Und die Idee ging auf. Noch heute sind unzählige Spendernamen zu finden wie der von Carl Schmolzer aus Los Angeles.

Diese kleinen Steintafeln auf der komplett begehbaren Stadtbefestigung entgehen jedoch vielen Besuchern der denkmalgeschützten ehemaligen Freien Reichsstadt hoch über dem Flusstal der Rothenburg ob der TauberTauber, wo sich die Romantische Straße mit der Burgenstraße kreuzt. Nur wenige Besucher schauen abseits des ausgetretenen Weges mal hinter die Fassaden. Viele Reisegruppen haben gerade einmal zwei Stunden Zeit, um den weiträumigen historischen Marktplatz mit dem Rothenburg ob der Tauberprächtigen Rathaus zu besuchen. Dort bekommen sie kurz den gotischen Westbau mit Kaisersaal und Turm erklärt und werden zum Fachwerk-Ensemble Plönlein geführt, das mit Rothenburg ob der Tauberseinem mittelalterlichen Stadtbild an der Straßengabelung mit Kobolzeller Tor und dem höher stehenden Siebersturm in allen Nachschlagewerken zu finden ist.

Diejenigen aber, die sich die Zeit nehmen und einen Teil der Mauer begehen, können dies zum Beispiel vom Galgentor aus in Richtung Klingenschütt tun. Von oben fällt auf, dass alle Dächer der liebevoll renovierten Bürgerhäuser mit roten Tonziegeln, den Biberschwanz-Ziegeln, einheitlich gedeckt sind. Stadtführer Harald Ernst erklärt dann auch, dass nur Fensterläden statt Rolläden, keine Sonnenkollektoren, Parabolantennen und Dachflächenfenster die Fassaden stören dürfen.

Rothenburg ob der TauberIn Höhe der St. Jakob-Kirche ist es empfehlenswert, den Wehrgang zu verlassen, um der mächtigen evangelisch-lutherischen Stadtpfarrkirche einen Besuch abzustatten. Der äußerlich schlicht wirkenden gotischen Kirche sieht man nicht an, dass auf ihrer Westempore der berühmte Heilig-Blut-Altar mit der Abendmahlszene des Würzburger Holzschnitzers Tilman Riemenschneider zu finden ist.

Rothenburg ob der TauberWährend die vielen asiatischen und amerikanischen Besucher zu Käthe Wohlfahrts Weihnachtsmuseum und Weihnachtsdorf strömen, bevorzugen Krimi-Interessierte das Mittelalterliche Kriminalmuseum. Am Abend, wenn die zahlreichen Tagestouristen Rothenburg ob der Tauberweitergezogen sind, lässt man sich dann am Besten in einem der gemütlichen Lokale sein Fränkisches Schäufele oder einen gut zubereiteten Karpfen mit einem fränkischen Bocksbeutel oder einem gut gekühlten Bier schmecken.

Weitere Informationen:

Tourismusverband Franken e.V., Wilhelminenstr. 6, 90461 Nürnberg, Tel. 0911/94151-0, www.frankentourismus.de;

Nachtwächter Hans Georg Baumgartner, Untere Schmiedgasse 8, 91541 Rothenburg ob der Tauber, Tourbeginn täglich 21.30 Uhr für eine Stunde, Erwachsene 7 Euro, Schüler/Studenten 3,50 Euro, Kinder bis zwölf Jahre frei, www.nightwatchman.de;

Käthe Wohlfahrts Weihnachtsmuseum und Weihnachtdorf, Herrngasse 1, 91541 Rothenburg ob der Tauber, Tel. 09861/4090, www.wohlfahrt.com;

Mittelalterliche Kriminalmuseum, Burggasse 3-5, 91541 Rothenburg ob der Tauber, Tel. 09861/5359, www.kriminalmuseum.eu, Öffnungszeiten täglich von April bis Oktober 10 bis 18 Uhr, November bis März 13 bis 16 Uhr. 

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