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Pfälzer Buntsandstein

Baustoff für Weltkulturerbe: Buntsandstein im Pfälzer Wald

Pfälzer Buntsandstein Wie in der Pfalz aus dem rötlichen Gestein Kunstwerke und Kathedralen entstehen

Von Gerd Krauskopf

„Pälza Buntsandstäää“, so nennen die alten Pfälzer ihren Steinboden.

Hier im Süden der Pfalz hat er seine eigene Farbe. Die reicht vom sauber und klar marmorierten, widerstandsfähigen Blassrot über Ziegelrot bis Hellviolett und von gelblich-weißen bis gelblich-braunen Partien. Es ist eine Reise durch einen Zeitraum von gut 240 Millionen Jahren. Der Sandstein hat sich vorwiegend unter wüstenhaften Bedingungen abgelagert. Er wurde angeschwemmt aus abgetragenen Gebirgen und lagerte sich in abflusslosen Senken Pfälzer Buntsandsteinab, als unsere Kontinente noch nicht unsere heutige Gestalt zeigten. Dabei hob sich im Süden des Pfälzerwaldes in Jahrmillionen eine besonders abwechslungsreiche Felsenlandschaft mit Kegelbergenund bizarren Felsgebilden.

Herausgehauen haben sie ihn schon vor langen Zeiten und als Baumaterial in mächtigen Schlössern, Kirchen, Brücken und Häusern verbaut, wie zum Beispiel im weltbekannten Heidelberger Schloss oder dem weithin sichtbaren Speyerer Dom. Wurde der „Pälza HeidelbergBuntsandstäää“ früher mit Hammer und Meißel mühselig gebrochen, so wird heute elegant gesprengt. Wie zum Beispiel in der Nähe von Kaiserslautern im Steinbruch in Schweinstal von der Firma Carl Picard, die ihr Rohmaterial dann auch gleich nur einen Steinwurf weiter im eigenen Natursteinwerk verarbeitet. Da steht an diesem sonnigen Vormittag Martin Picard Pfälzer Buntsandsteinund schaut in sicherer Entfernung seinen beiden Sprengmeistern Paul Brandstätter und Walther Valutzis zu, wie sie einen gut 80 Tonnen schweren ziegelroten Stein – einer „Schokoladenrippe“ gleich – explosionsartig mit einem „Buffff“ dem Berg entreißen. Die abgesprengte Wand kippt und versinkt auf ein Schuttbett, das mit dem Bagger vorher zielgenau dort hingefüllt worden ist. „Gesprengt“, sagt der junge Firmenchef Martin Picard mit seinen wachen Augen, dem gut gestutzten Bart und seinem trendig halblangen Haar, „haben wir heute mit einer Nitropenta-Schnur. Die wird in ein Bohrloch eingelassen, das dann mit Wasser gefüllt wird. Das ganze ist ein detonativer Sprengstoff, der sich sehr schnell entfaltet und einen harten Schock aufs Material gibt. Für uns der wirtschaftlichste Weg im Gegensatz zum Schwarzpulver, das vom Arbeitsschutz her gesehen zu gefährlich ist. Dynamitstangen benutzen wir, wenn eine Zertrümmerung vom Kunden gewünscht wird.“

Pfälzer BuntsandsteinDerweil arbeiten am Ausgang des Steinbruchs die Bildhauerinnen Michaela Biet aus Nürnberg und Elena Saracino Cavata aus Italien an ihren tonnenschweren Rohlingen. Mit Pfälzer Buntsandsteinleichtem und schwerem Gerät meißeln und schleifen sie ihre Visionen in Form und Gestalt in den roten Stein. Wie Elena dann ihren Mund, Augen- und Gehörschutz ablegt, erzählt sie mit Stolz, dass sie beide einem jährlich stattfindenden Bildhauersymposium angehören, das 1986 hier in diesem Steinbruch ins Leben gerufen worden und die Urzelle des Skulpturenwegs Rheinland-Pfalz ist. „Unsere beiden Steinplastiken“, freut sich die komplett eingestaubte Künstlerin, „werden einmal im Fraunho­fer-Institut in Kaiserslautern einen Platz finden."

An einem der nächsten Tage ist der Eppenbrunner Altschloßfelsen nahe der französischen Grenze das Ziel. Da führt im größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands die Wanderung vom Wanderparkplatz „Spießweiher“ erst einmal über den „Helmut-Kohl-Wanderweg“, der seinerzeit bei der Einweihung zugegen war. Er zweigt dann unvermittelt ab und steigt steil an. Plötzlich erscheinen auf einem Höhenrücken bis zu dreißig Meter hohe Felsmassive mit Türmen, Überhängen, Höhlen, Quergängen und Kaminen mit Pfälzer Buntsandsteinfeinsten Farbschattierungen. Deren bizarre Formen, die gen Himmel streben, leuchten im Sonnenlicht. So führte am Fuße dieser Türme bereits zur Zeit der Kelten ein Handelsweg, da die Täler durch große Sumpfgebiete unpassierbar waren. „Und auf diesen Türmen, die sich gut eineinhalb Kilometer weit erstrecken“, so erzählt die Naturführerin Anke Vogel, „ gibt es Anzeichen einer mittelalterlichen Burg aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.“ Heute unvorstellbar, wie sie die Plattformen der einzelnen Türme miteinander verbunden haben.

Blassrot über Ziegelrot bis Hellviolett ist auch ein enger Stollen, der gut 130 Meter hin zu einer Zisterne der mittelalterlichen Burg Lemberg führt. Da man bei dieser Höhenburg auf dem Schlossberg der Gemeinde Lemberg im 13. Jahrhundert bei den Grabungsarbeiten des Brunnenschachtes in einer Tiefe von 95 Metern immer noch kein Grundwasser gefunden hat, Pfälzer Buntsandsteintrieb man einen waagerechten Stollen auf den Schacht zu und leitete das Quellwasser eines Hanges in diesen Brunnenschacht, der fortan als Zisterne genutzt wurde. „Die Erbauer dieses Stollens“, vermutet Gästeführer Uwe Schumacher, „wurden nach Fertigstellung bestimmt umgebracht, damit sie den Feinden diesen Geheimschacht nicht verraten können.“ Sprach's und zückte nach dem Besuch des engen und sechs Grad kalten Stollens einen aufwärmenden Schnaps.

Sandstein mit gelblich-weißen bis gelblich-braunen Partien bevorzugt Bildhauer Gerhard Vogt, dessen Steinskulpturen im öffentlichen Raum zwischen Wachenheim und Bad Pfälzer BuntsandsteinDürkheim zu finden sind. Bekanntestes Beispiel sind das „Fenster zur Weinstraße“ vom verstorbenen Bruder Peter und der gestaltete Kreisel einer Verkehrsinsel von Gerhard Vogt. Nur hat die städtische Müllabfuhr vor kurzer Zeit einen Teil seines gestalteten Kreisels unabsichtlich zerstört.

Pfälzer BuntsandsteinNach so vielen spektakulären Felsmassiven und geologischen Kostbarkeiten mit „Pälza Buntsandstäää“ und den Blick durch das „Fenster zur Weinstraße“ ist es dann an der Zeit, dem Wein dieser Region neue Aufmerksamkeit zu schenken. Auch sollte der Magen nicht zu kurz kommen. Dabei kommt am Pfälzer Saumagen kein Besucher vorbei. Trägt er doch seinen Namen völlig zu unrecht, da nur feinstes Fleisch verarbeitet wird und mit Innereisen nichts zu tun hat.Pfälzer Buntsandstein

 

 

Weitere Informationen:

Pfälzer BuntsandsteinRheinland-Pfalz Tourismus GmbH, Löhrstraße 103-105, 56068 Koblenz, Tel. 0261/915200, www.gastlandschaften.de;

Pfälzer BuntsandsteinSteinbruch:

Carl Picard, Schweinstal 3, 67706 Schopp-Krickenbach, Tel. 06307/337, www.picard-natursteinwerk.de;

Pfälzer BuntsandsteinBildhauer

Gerhard Vogt, Friedelsheimer Str. 8, 67157 Wachenheim an der Weinstraße, Tel. 06322/2847, www.bildhauerei-vogt.de;

Wohnen:

Pfälzer BuntsandsteinZum Beispiel im Hotel-Restaurant Kunz, Bottenbacher Str. 74, 66954 Pirmasens, Tel. 06331/8750, http://www.hotel-kunz.de, DZ ab 108 Euro mit Frühstück

Pfälzer Buntsandsteinoder im Altstadthof Freinsheim, Hauptstr. 27, 67251 Freinsheim, Tel. 06353/932250, www.altstadthof-freinsheim.de, DZ ab 111 Euro mit Frühstück

Pfälzer BuntsandsteinRestaurant:

 Restaurant „Gerümpelstube", Hintergasse 4, 67157 Wachenheim a.d.Wst., Tel. 06322/8550, www.geruempelstube.de

Pfälzer BuntsandsteinWinzergenossenschaft:

 Herxheim am Berg, Weinstraße 1, 67273 Herxheim am Berg, Tel. 063 53/98 91 00, www.wg-herxheim.de/kontakt/

 

  

 

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