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Burgund

Leben wie im Mittelalter

 

Guédelon

 

 

Der Norden Burgunds ist mit Kirchen reich gesegnet – Burgenbau mit Techniken aus dem 13. Jahrhundert.

Kirchen, Kathedralen und Abteien zeugen noch heute in Burgund vom Bauboom im Mittelalter, der diese französische Region zu einem Hort für romanische Kunst gemacht hat. Einst pilgerten die Menschen massenweise zu diesen Bauwerken. Heute locken die Gotteshäuser, welche die Wirren der Zeit überdauert haben, zahlreiche Touristen an. Andere reizen vor allem die Weinberge, deren Weine einen legendären Ruf genießen.

Auxerre mit Fluss Yonne

Die Kathedrale Saint-Étienne der Stadt Auxerre im Norden der Region gilt als bedeutendes Beispiel für die Gotik in Burgund. Die Krypta birgt eine herausragende Darstellung des auf einem Schimmel reitenden Christus. Zu besichtigen lohnt sich auch die romanisch-gotische Abtei Saint-Germain mit dem 51 Meter hohen gotischen Kirchturm. Sie ist im 8. Jahrhundert gegründet worden.

 

Durch verwinkelte Gassen gelangt man zur Place Saint-Nicolas mit Blick auf den Fluss Yonne. in der Nische einer Hauswand steht eine Statue des heiligen Nikolaus, des Schutzpatrons der Flussschiffer. Das weltliche Wahrzeichen ist die prachtvolle Tour de l‘Horloge mit einer Sonnenuhr. ringsherum säumen Fachwerkhäuser die malerischen kopfsteingepflasterten Gassen. Von einer Brücke über die Yonne bietet sich ein besonders schöner Blick auf die Altstadt.

 

Auxerre, Tour de l’Horloge

 

Einst bedeutende Pilger-Station

 

 

Vézelay hat unter Kunstkennern den besten Ruf: Seine prachtvolle romanische Basilika gehört seit 30 Jahren zum Welterbe der Unesco. Den Hügel hinauf durch die Gassen des Ortes erreicht der Besucher die Abteikirche Sainte-Madeleine aus dem 12./13. Jahrhundert, in der die Gebeine der heiligen Magdalena aufbewahrt sein sollen. An das hundert Meter breite und zwölf Meter breite romanische Hauptschiff mit Kreuzgewölbe schließt sich der gotische Chor an. Zur Blütezeit wohnten bis zu hundert Benediktiner-Mönche im Kloster. „Am 12. Juni um 12 Uhr erzeugen die hereinfallenden Sonnenstrahlen vom Eingang bis zum Chor eine Gerade aus Lichtflecken“, erläutert Führerin Corinne. Sie weist darauf hin, dass das Dorf, einst bedeutende Station auf dem Jakobsweg, von Pilgerkellern durchsetzt ist, in denen damals Hunderttausende Pilger übernachteten.

 

Trödelladen Vézelay

 

Im Haus des Schriftstellers Romain Rolland präsentiert das Musée Zervos die Kunstsammlung von Christian und Yvonne Zervos. In Harmonie mit Raum und Licht des Hauses sind die Werke bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts ausgestellt: Picasso, Kandinsky, Giacometti, Miró und andere. Die ebene Landschaft am Canal du Nivernais lädt geradezu zu einer Radtour ein. Nach einem ausgiebigen Picknick gestärkt, treten die Freizeitradler kräftig in die Pedale – auch für Ungeübte kein Problem. Das Wasser im Kanal, das gemächlich neben dem gut beschilderten Radweg vor sich hin plätschert, wirkt beruhigend auf die Radfahrer. in der nächsten Schleuse warten gleich drei Hausboote mit deutschen Touristen, um auf einen Schlag den Höhenunterschied zu überwinden.

 

Auf der Baustelle in Guédelon fühlt man sich ins Mittelalter versetzt: Steinmetze und Zimmermänner, Schmiede und Korbflechter klopfen, hämmern und schleifen eifrig.

 

 

Reise durch die Zeit

 

Guédelon

 

Die Idee, eine Burg mit Techniken aus dem 13. Jahrhundert zu bauen, stammt von dem Burgbesitzer Michel Guillon. Bevor die Arbeiten Ende 1997 begannen, musste der Platz – ein alter Steinbruch – von allen Steinen befreit werden. Als Baumaterial werden eisenhaltiger Sandstein und Eichenholz verwendet. Innerhalb von vier Jahren haben 67 Arbeiter die Mauern aufgebaut. Das Projekt schreitet zügig voran. Bis 2023 soll die Burg nach Vorlagen von Burgen des Königs Philipp August fertiggestellt sein. Die Besucher können die Baustelle besichtigen und dabei den Arbeitern und Handwerkern über die Schulter schauen. Das Projekt stößt auf starkes Interesse. So hat sich die Besucherzahl innerhalb von zwölf Jahren auf 315 000 verzehnfacht.

 

Am Morgen ist das Château d‘Ancyle-Franc von Nebel eingehüllt. Über den zugeschütteten einstigen Wassergraben gelangt man zu dem Feudalbau aus hellem Sandstein. Das Renaissanceschloss eines italienischen Architekten ist mit kürzlich restaurierten Malereien geschmückt. In einem der vier Ecktürme befindet sich eine Kapelle. Ins Auge fallen überall die vielen Dekorationen. Die Salons sind mit grandiosen Decken und Fresken verziert.

 

 

Grand Crus und Haute Cuisine

 

 

In dem verträumten Winzerdorf Saint-Bris le vineux führt Jean-François Bersan durch seinen Weinkeller aus dem 13. Jahrhundert. Die anschließende Weinprobe ist ein Gedicht: Die weißen Aligote, Côte d‘Auxerre, Chablis und Saint-Bris sowie der rote Irancy erweisen sich als „Gaumenkitzler“. Wein spielt selbstverständlich auch im Chablis-Gebiet eine große Rolle. Der hochwertige trockene Weißwein, der im Tal des Serein gedeiht, ist weltweit bekannt. in 20 Dörfern werden die Reben auf 500 Hektar Fläche angebaut. Es gibt vier Qualitätsstufen: Petit chablis, Chablis, Premier cru und Grand cru.

 

Endstation der Reise ist die beschauliche Kleinstadt Joigny, die von Fachwerkhäusern aus dem 16. Jahrhundert geprägt wird. Die Côte Saint-Jacques und ihre Weinberge mit Blick auf die Stadt stellen das nördlichste Weinbaugebiet des Burgund dar. Kulinarisches Aushängeschild ist das gleichnamige Restaurant von Jean-Michel Lorain, mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Am Wochenende fallen die Hauptstädter ein; denn Joigny ist nur eine Autostunde von Paris entfernt. Den Gästen mundet das Feinschmecker-Menü, zu dem die Schnitte vom Steinbutt, gebratene Gänseleber und regionale

Käsesorten gehören. Dazu werden die passenden Weine kredenzt – Herz, was willst du mehr!

 

Norbert Krauss

 

 

 

Informationen:

 

Atout France 

Franzosische Zentrale fur Tourismus, Postfach 10 01 28, 60001 Frankfurt, Tel. 0900/157 00 25 (49 Cent/Minute), E‑Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.franceguide.com und www.burgund‑tourismus.com

 

Hoteltipps:

Hotel Le Maxime in Auxerre, rive Gauche in Joigny. Restaurant‑Tipps: La P’tite Beursaude in Auxerre, Hotel de la Poste et du Lion d‘or in Vezelay.

Baustelle: Guedelon Chantier Medieval, D 955, Treigny, www.guedelon.fr

Radreiseveranstalter: France a Velo, Saint‑Georges, www.franceavelo.com

 

 

 

 

 

 
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