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Provence

Die schönen Dörfer der Provence

ProvenceDer Mistral bläst heftig und macht den Aufenthalt im Freien ungemütlich. „Noch zwei Tage, dann ist es vorbei und wieder schönes Wetter“, beruhigt die Haushälterin bei der Übergabe des Ferienhauses in Lagnes, nur wenige Kilometer von L'Isle-sur-la-Sorgue entfernt. Und so ist es auch. Der starke Wind legt sich, und die warmen Temperaturen kommen zurück – wie der Urlauber sich das in der Provence so vorstellt.

 Unser Domizil auf Zeit ist ein rustikales zweistöckiges Steinhaus mit allem Drum und Dran sowie einem Swimmingpool. In dem geräumigen Gebäude können locker acht Personen unterkommen. Eine überdachte Terrasse bietet Schutz vor der Sonne. Das Areal ist eingezäunt, was auch das Mitbringen von Hunden erlaubt.

ProvenceEs gibt viele gute Gründe, um in die Provence zu fahren. Einer davon ist der Antiquitäten- und Trödelmarkt in L'Isle-sur-la-Sorgue im Luberon. Jeden Sonntag pilgern dort Hunderte von Schaulustigen an den Ständen am Ufer der Sorgue entlang. Das Angebot reicht von alten Schildern über Porzellan bis hin zu Möbeln. Darüber hinaus haben sich etwa 350 Antiquitäten-, Kunst- und Trödelhändler in sieben „Dörfern“ zusammengeschlossen, die am Wochenende geöffnet sind. L'Isle-sur-la-Sorgue behauptet, wie Venedig zu sein, und nennt sich „La Venise Comtadine“. Auch wenn der Vergleich hinkt: Die Sorgue teilt sich in mehrere Flussarme, und Brücken verbinden eine Insel mit der anderen.

ProvenceEin Spaziergang entlang des Flussarmes, der die Altstadt umschließt, ist eine Wohltat – wenn nicht gerade Menschenmassen unterwegs sind. Dann kommt man an Wasserrädern vorbei, von denen sieben noch in Betrieb sind und moosbegrünt ihre Runden drehen. Verwinkelte Gassen führen zu der hübsche Place de la Liberté mit einladenden Cafés unter Platanen im Herzen des Städtchens. „Die Provence ist im Frühling und Frühsommer einfach herrlich“, schwärmt ein Ehepaar aus dem Saarland, das seit Jahren seinen Urlaub in Bonnieux verbringt. Ein anderes Ehepaar ist sogar aus Kanada angereist und hat vor, zwei Monate zu bleiben.

Der französische Sender Nostalgie mit Songs aus den 50er- bis 90er-Jahren ist im Autoradio unser ständiger Begleiter. Zu den Klängen von „Surfin USA“ der Beach Boys fahren wir durch die ländliche Provence vorbei an Weinbergen und Olivenbaumplantagen nach St-Rémy südwestlich von L'Isle-sur-la-Sorgue.

ProvenceEin platanenbestandener Boulevard umringt die schön sanierte Altstadt mit engen Gassen, malerischen Plätzen, Cafés, Restaurants und Geschäften. Dort ist mittwochs Markttag, der Einheimische und Touristen vereint. Das Zentrum ist voller Stände für Klamotten, Schmuck, CDs und Hüte. Hier ist die ganze Sinnenfreude der Provence ausgebreitet: sonnenreifes Gemüse, erstgepresstes Olivenöl in grünen Flaschen, Seifen, köstlicher Brotaufstrich aus Oliven und Knoblauch, Provence-Weine in großer Auswahl, Lavendelhonig, Thymian, Rosmarin. „Wo ist das Van-Gogh-Museum?“ erkundigt sich ein amerikanisches Ehepaar. Ihm kann geholfen werden: Ausstellungen und Dokumentationen zu Leben und Werk des Malers sind in dem Museum im Hotel Estrine zu sehen.

Die großen kunsthistorischen Attraktionen von St-Rémy liegen südlich des Ortes an der Landstraße nach Les Baux: die gut erhaltenen römischen Monumente von Les Antiques, die Reste der antiken Stadt Glanum und das Kloster St-Paul-de-Mausole, in dem sich Vincent van Gogh behandeln ließ.

ProvenceDie Beatles schallen mit „All You Need Is Love“ aus dem Äther, während das Auto sich dem nächsten Ziel nähert. Maussane-les-Alpilles ist zusammen mit der Nachbargemeinde Mouries der führende Hersteller von Olivenöl in Frankreich. Im Offizin der Mühle Mas des Barres, einer der schönsten der Region, stehen die verschiedenen Sorten Olivenöl zu einer Kostprobe bereit. Das Öl duftet nach Estragon und Schnittlauch, nach Artischocken und grünen Bananen. Unterhalb der gewaltigen Festung von Les Baux ist eine weitere Ölmühle mit gutem Sortiment: Castelas, dessen 1200 Olivenbäume auf 110 Hektar Fläche jährlich 35.000 Liter Öl liefern. Das kleine Dorf Les Baux und eine Burgruine, die sich auf einem Felsplateau, 900 Meter lang und 200 Meter breit erstrecken, sind stets von Touristen überlaufen.

ProvenceAndere Tagesausflüge von L'Isle-sur-la-Sorgue aus führen in Richtung Osten. Gordes erreichen wir von Süden über die N 100. Von Oliven- und Mandelbäumen gesäumt, windet sich die Straße steil den Berg hinauf. Das Bergdorf mit Terrassen, Treppen und engen Gassen thront idyllisch auf einem Steilhang des Plateau de Vaucluse. Der Op-Art-Künstler Victor Vasarély lebte eine Zeit lang in dem Renaissance-Schloss, das heute in Privatbesitz ist und eine Sammlung des Künstlers Pol Mara beherbergt.

Provence„The Winner Take Its All“ von ABBA im Ohr, geht es weiter nach Roussillon. Die Farbe, der Ocker, hat das Dorf berühmt gemacht: Der natürliche Ocker, ein mineralischer Farbstoff, wurde nicht nur als Häuserputz oder für Malfarben verwendet, sondern auch für Backteig, Schokolade und Make-up. Die alten Ockersteinbrüche und das Ockermuseum Okhra geben Einblick in den Abbau des Ockers, der seit dem 18. Jahrhundert den Menschen Arbeit verschafft hat.

ProvenceBonnieux gilt als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Kirchtürme auf verschiedenen Ebenen verblüffen die Besucher. Wir betrachten ihn von oben aus einem Café und stellen fest: Bonnieux ist ein Ort wie aus dem Bilderbuch. Unter Platanen kann man im Schatten sitzen und den Blick über die Berge genießen oder über die 86 ausgetretenen Stufen der alten Steintreppe zur Kirche hochsteigen. Das Schloss gehörte einst dem Marquis de Sade, heute dem Modedesigner Pierre Cardin, der jeden Sommer ein Festival zur Instandhaltung der Anlage veranstaltet.

ProvenceDas Lied „Belfast“ von Boney M schallt aus dem Radio, während Lourmarin in Sicht kommt. Es ist ein gepflegt wirkendes Dorf mit zahlreichen Kunsthandwerkern (Töpfern etc.) und Straßencafés. Es lohnt sich, diesen sonnigen Ort mit seinen Gassen und Plätzen zu entdecken. Der britische Schriftsteller Peter Mayle hat seinen Wohnsitz vom benachbarten Ménerbes nach Lourmarin verlegt, da er sich dort von neugierigen Touristen belästigt gefühlt hat.

ProvenceMan kann die Provence mit allen Sinnen entdecken. Dazu tragen Wein, Olivenöl, Käse, Kräuter und vieles mehr bei. Wenn dann Köche in ihren Restaurants vorzugsweise diese und andere einheimische Produkte verwenden, ist das ein Hochgenuss. Wie zum Beispiel im Mas des Grès in Lagnes. Das Landhaus aus dem 18. Jahrhundert im Nationalpark Luberon wird von Nina und Thierry Crovara betrieben. Nina serviert am Abend ein Vier-Gänge-Menü, zu dem Thierry sich vom Tagesangebot auf dem Markt hat inspirieren lassen. Dazu einen passenden Wein, und der kulinarische Genuss ist vollkommen.

Norbert Krauss

Infos:

Informationen:

ADT Vaucluse Tourisme, www.provence-tourismus.de

Atout France, Postfach 100128, 60001 Frankfurt, Fax 069/74 55 56, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! de.rendezvousenfrance.com

Anreise:

Mit dem Auto von deutschen Autobahnen auf die Rhone-Autobahn.

Mit der Bahn im Hochgeschwindigkeitszug TGV nach Marseille.

Mit dem Flugzeug von diversen deutschen Flughäfen nach Marseille oder Avignon.

Beste Reisezeit:

Bis Juni (ausgenommen Ostern und Pfingsten) und ab September kann man ohne größere Probleme das Land entdecken, Zimmer finden, Wandern und Rad fahren.

Unterkunft:

Hotel Best Western Domaine de la petite Isle in L'Isle-sur-la-Sorgue, ab 108 Euro im DZ mit Frühstück, www.domainedelapetiteisle.com

Ferienhäuser:

www.ferienhausmiete.de, www.casamundo.de, www.ferien-privat.de

Dichtes Netz an Campingplätzen.

Restaurants:

Café Fleurs in L'Isle-sur-la-Sorgue, www.cafefleurs.com

Landhotel Mas des Grès in Lagnes, www.masdesgres.com

Wochenmärkte:

Dienstag in Gordes, Mittwoch in St-Rémy, Donnerstag in Roussillon, Freitag in Bonnieux und Lourmarin, Sonntag in L'Isle-sur-la-Sorgue.

Weinverkauf:

Chateau la Canorgue in Bonnieux, Chateau Constantin Chase in Cadenet.

Reiseführer:

Reise Know-How Provence; Provence – Zeit für das Beste, Bruckmann.

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