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Schenna, Südtirol

Schenna, Südtirol – im Geiste eines großen Habsburgers die eigene Balance finden 

Südtirol, Schenna

 Wein, Wandern und die Weitsicht eines Habsburgers

Von Uwe Junker

 Erzherzog Johann, Bruder des Kaisers Franz-Josephs (der aus den „Sissi-Filmen“), fühlte sich zu der alpin-mediterranen Region Merans und ihrer Menschen besonders hingezogen. Die Schenner waren für ihn „ein herrlicher Menschenschlag“. „Auf dass mein Haupt einst in Tiroler Südtirol, SchennaErde ruhen möge“, hatte er sich sehnlichst gewünscht. Und sein Sohn Franz erfüllte ihm diesen Wunsch: Vor 150 Jahren wurden die sterblichen Überreste Johanns vom Grazer Dom in das Mausoleum in Schenna überführt – heute weithin sichtbares Wahrzeichen  des Ortes neben der Südtirol, SchennaPfarrkirche und unterhalb des Schlosses gelegen. Die Grabstätte des großen Tirol-Liebhabers stellt eines der bedeutendsten Beispiele der Neugotik weltweit dar. Der Erzherzog hatte diesen Baustil auf einer Englandreise 1815 kennen gelernt und blieb von ihm sein ganzes Leben fasziniert – wohl auch weil er zu seinem persönlichen Selbstverständnis passte: So wie die Südtirol, SchennaNeugotik einen Stil der Vergangenheit wieder aufgreift, orientierte er sich als Herrscher ebenfalls an historischen Vorstellungen, in die sich deutlich aufklärerische Züge mischten. 1782 in Florenz als 13. Kind des Großherzogpaars  Pietro Leopoldo und Ludovica von Spanien geboren, wurde Johann früh von den aufklärerischen Ideen seines Vaters geprägt, bevor seine beiden Schweizer Erzieher Johannes von Müller und Armand Graf Mottet dem Jungen eine sehr moderne und vielseitige Ausbildung angedeihen ließen, die ihn zu einem der intelligentesten Vertreter des habsburgischen Hochadels reifen ließ. „Er hat für die Infrastruktur und damit auch die Menschen Südtirols Unglaubliches geleistet, “ lobt Graf Franz von Südtirol, SchennaSpiegelfeld anlässlich eines Festaktes zum 150jährigen Bestehen des Mausoleums.  „Er hat das Etsch Tal trockenlegen lassen und damit den intensiven Obstanbau in der Region erst ermöglicht, die Burgunderreben aus Frankreich importiert und damit den Weinanbau Südtirols wesentlich bereichert, alle Berge erklommen, mit Wanderwegen und Gipfelkreuzen versehen lassen und dadurch das Bewusstsein der Einheimischen für die Schönheit ihrer Bergwelt geweckt.“ Der Erzherzog habe im Geschichtsunterricht eigentlich den gleichen Stellenwert verdient wie der berühmte Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer, fordert von Spiegelfeld. Der Graf bewohnt heute das einst von Johann erbaute Schloss Schenna zusammen mit seiner Gattin Johanna Gräfin von Spiegelfeld, geborene Gräfin von Meran, Ur-Ur-Ur-Enkelin des Erzherzogs. Die Beiden haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an den großen Habsburger in Tirol wach zu halten.

Weinbauer Karl Pichler und seine Familie machen das auf ihre Weise: Sie haben ihrem Weißburgunder im Einvernehmen mit dem Grafenpaar den Namen „Erzherzog Johann“ gegeben. Es versteht sich daher von selbst, dass die Pichlers inmitten von Hochadel und Politik auch zum Festakt geladen waren. Wir wandern mit Karl vom Ortszentrum durch  seine Weinberge, genießen den erzherzoglichen Weißburgunder im Freien. „Wir produzieren alle unsere Weine selbst, gehören keiner Genossenschaft an“, erklärt er. In besten Sonne-verwöhnten Hanglagen bauen die Pichlers außer Weißburgunder noch die SüdtirolerSüdtirol, SchennaRebsorten Vernatsch und Blauburgunder an, die sie anschließend im Weingut inmitten der Weinberge veredeln.  Die genießen wir in der Weinkellerei des Innleiterhofes. 

Roswitha hat der Erzherzog definitiv seine große Liebe zu den Bergen irgendwie vererbt. Im Hauptberuf Verwaltungsangestellte einer Meraner Klinik verbringt sie den größten Teil ihrer Freizeit in der Natur als Bergführerin oder Balancetrainerin. In letztgenannter Eigenschaft sind wir mir ihr auf dem Schenner Waalweg unterwegs, entlang einem jener im 17. Jahrhundert angelegten Bewässerungskanäle für den Obstanbau. „Auch heute noch wachen Waaler über die gerechte Verteilung des Wassers an die einzelnen Obstbauern“, erklärt uns Roswitha.„Von April bis Oktober wird das Wasser aus den Bergen auf die Obstwiesen geleitet“. Und das istSüdtirol, Schennarichtig kalt und damit bestens geeignet für ein Kneippsches Fußbad im Waal – fester Bestandteil von Roswithas Balancewanderungen. Während wir von der Talstation der Taser Seilbahn südwärts über die romantische Steintreppe „Katzenleiter“ bis zum Weiler St. Georgen südwärts am Waal entlang wandern, erleben wir noch eine Waldmeditation mit Atemübungen und fokussierter Konzentration auf Düfte und Geräusche des Waldes –  mit geschlossenen Augen versteht sich. Zum Abschluss der Waal-Wanderung rasten wir inmitten blühender Obstwiesen und verbrennen entlang unseres Weges gesammelte Kräuter in Räucherkerzen, die Roswitha bei ihren Balancewanderungen stets in ihren Rucksack packt. „Das ist ein alter Brauch, der sich aus der Walpurgisnacht in der Region über Generationen gehalten hat und böse Geister vertreiben soll“, erzählt Roswitha. Ja, wir sind tatsächlich spürbar gestärkt an Leib und Seele, als wir Schenna wieder erreichen. Unsere gerade gewonnene Balance wird aber auf eine harte Probe gestellt, als Roswitha mit uns am Ortseingang noch bei Südtirol, Schennaihrem guten Freund Matthias Gögele einkehrt. Der ist nicht nur Apfelbauer und Inhaber des schmucken Feriendomizils Torgglerhof, sondern betreibt seit kurzem auch eine kleine Destillerie edler Obstbrände im ehemaligen Gerichts- und Gefängnisgebäude von Alt-Schenna aus dem 15. Jahrhundert. Besonders vom Birnen- und Mirabellenschnaps sind wir angetan. 

Am nächsten Morgen ist unsere Balance zurück. Die brauchen wir auch. Denn wir sind mit Julia auf E-Mountainbikes unterwegs zur Taser Alm. Sie führt uns zunächst auf schmalen Südtirol, SchennaPfaden durch Weinberge und Obstwiesen und später auf schmalen Bergstraßen in über 1600 m Höhe, immer begleitet von prächtigen Panoramablicken. Ob Erzherzog  Johann Gefallen an den vielen Mountainbikern gefunden hätten, die inzwischen „seine“ Berge bevölkern? Uns macht die Tour jedenfalls Riesenspaß. 

Sepp Gamper jedenfalls hätte es ihm angetan. Denn der ist genauso vielseitig begabt und voller neuen Ideen wie einst Johann selbst: Seine neueste Attraktion ist in luftiger Höhe selbstgebackenes Brot, dessen Duft uns schon umfängt, als wir die Räder abstellen. Wir Südtirol, Schennagenießen das noch warme Brot im Freien, direkt nachdem Sepp und sein Chefkoch Oskar es aus dem Steinofen geholt haben – köstlich! Und Sepp hat schon die nächste Innovation im Kopf: Er will sich einen schräg arbeitenden Mähdrescher  patentieren lassen, um die steilen Hänge seines weitläufigen Anwesens leichter bewirtschaften zu können. 

Nach steiler und zügiger Sonnen-verwöhnter Abfahrt erwartet uns noch ein kulturelles Highlight zur stillen Einkehr: Die kleine Rundkirche von St. Georgen, ehemalige Burgkirche von Alt-Südtirol, SchennaSchenna aus dem 13. Jahrhundert beeindruckt mit ihren gut erhaltenen Decken- und Wandmalereien, die das Jüngste Gericht und das Martyrium ihres Namenspatrons, des heiligen Georgs, zeigen. 

An unserem letzten Abend genießen wir auf dem Balkon unseres Appartements im Goyenhof geradezu mythische Lichtspiele, die Sonne und Wolke im Wettstreit in den noch schneebedeckten Höhen von des Erzherzogs Bergen kreieren.  Und wir sind in Gedanken Südtirol, Schennaschon bei der nächsten Reise in seine Heimat, um seinen Spuren in höhere Gefilden zu folgen zu einer Jahreszeit mit weniger Schnee. Um das Wohlgefühl von Besinnung und innerer Balance beim Bergwandern einmal mehr zu erleben, nach dem die Seele des lärm- und reizüberfluteten Mitteleuropäers sich in unseren schnelllebigen Zeiten so sehnt. 

              

Weitere Informationen:                                     

Tourismusbüro Schenna

Erzherzog Johann Platz 1/D

I-39017 Schenna / Südtirol

Tel.: +390473945669

E-Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Homepage: www.schenna.com

Unterkunft:

Landpalais Goyenhof, Familie Hofer

Ifinger Straße 1

I-39017 Schenna

Tel.: +390473943201

Homepage: www.goyenhof.com

Dezenter Luxus und Südtiroler Gastfreundschaft in alpin-mediterraner Landschaft, Relax-Zonen im Garten und auf der Dachterrasse mit beheiztem Pool, Wellness- und Spa-Bereich, in dem für Pflegebehandlungen ausschließlich naturreine Kosmetika wie Traubenkern- oder Latschenkiefernöl aus Südtirol verwendet werden. Geräumige und sehr gut ausgestattete Appartements, auf Wunsch vielseitiges Goyenhof-Balance-Frühstück mit regionalen Bio-Produkten.

Baumgartners Blumenhotel, Familie Pircher

Verdinserstr. 11

I-39017 Schenna

Tel.: +390473945767

Homepage: www.blumenhotel.it

Direkt oberhalb des Schlosses mit Panoramablick über dem Meraner Talkessel gelegen. Gutes Restaurant mit leichter und raffinierter Küche, die sich durch ihre frischen und saisonalen Zutaten auszeichnet. Gemüsesorten, Obst und Kräuter aus eigenem Anbau, Teigwaren und Säfte werden selbst hergestellt.

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