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Engadin


Herrliche Aussichten in St. Moritz

Schweiz, Engadin

„Allegra“ grüßt man sich im Engadin. Das ist rätoromanisch und die übrig gebliebene Kurzformel des ursprünglichen „Cha Dieu ans „Allegra“ (deutsch: Möge Gott uns erfreuen!). Dieser Gruß ist auch in St. Moritz gebräuchlich, das im Winter den Skifahrern gehört, im Sommer aber den Wanderern, Radfahrern und Mountainbikern.

 Das Urlaubsvergnügen beginnt bereits bei der Anfahrt mit der Rhätischen Bahn, die ins Unesco-Welterbe aufgenommen worden ist. Die Zugstrecke imponiert den Fahrgästen mit ihren Kehrtunnels und den schwindelerregenden Viadukten. 

Schweiz, Engadin„St. Moritz ist mit 322 Sonnentagen der sonnenreichste Ort der Schweiz“, erklärt Dorfführerin Christine stolz. Ausschlaggebend für den Erfolg von St. Moritz als Urlaubsziel sind außerdem die zauberhafte Lage der Stadt am nordöstlichen Ufer des gleichnamigen Sees auf einer Höhe von 1856 Metern, das wundervolle Alpenpanorama im Hintergrund. Der eigentliche Kern des Ortes ist St. Moritz-Dorf mit der Via Maistra, gesäumt von den historischen Bauwerken der Stadt: dem Mauritiusbrunnen von 1910, dem Rathaus und der Reformierten Kirche aus dem 18. Jahrhundert mit ihrem neugotischen Glockenturm. Das Engadiner Museum bietet einen Einblick in das Handwerk, die Einrichtung und den Lebensstil dieser Bergwelt. Den Gemälden von Giovanni Segantini, einem Poeten des Lichts und der Landschaften der Alpenwelt, ist das Segantini-Museum gewidmet, in dem sich unter anderem auch das großartige Alpentriptychon (1899) befindet, das nicht vollendete Meisterwerk des Malers.

Schweiz, Engadin

Im Sommer, wenn die Prominenten weitgehend ausbleiben, sind die Haute-Couture-Läden wie Gucchi oder Cartier verwaist. Betrieb herrscht allerdings in der Konditorei Hanselmann, in der die berühmte Engadiner Nusstorte verkauft wird. Auf dem See tummeln sich derweil Kitesurfer, Windsurfer und Segler. Der Malojawind beschert ihnen ideale Windverhältnisse – Motorboote sind dagegen verboten. 

Schweiz, Engadin

Seine Bedeutung als Kurort verdankt St. Moritz ursprünglich seinen Heilquellen, die seit 3000 Jahren bekannt sind und den Ort schon früh als Sommer-Destination etabliert haben. Im Mittelalter machte der Naturheilarzt Paracelsus auf die eisen- und kohlensäurehaltigen Heilquellen aufmerksam. Im Forum Paracelsus wird den Besuchern diese jahrtausendealte Bäderkultur und mit Kostproben des Quellwassers anschaulich vermittelt. 
Im benachbarten Erlebnisbad Ovaverva, das Anfang Juli 2014 eröffnet worden ist, herrscht munteres Treiben. Familien mit Kindern bevölkern das Hallenbad mit dem 25-Meter-Becken, den Außenbereich mit herrlichem Blick auf die Bergwelt und das separate Sprungbecken. Im Spa-Bereich sind dagegen Ruhe und Entspannung angesagt. Verschiedene Saunas, Dampfbäder, Ruheräume und ein separater Damen-Spa laden zur Erholung ein. Das Sportzentrum beherbergt ein Fitnesscenter, ein Bistro und einen Outdoorsport-Shop. 

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Einen der schönsten Ausblicke auf die Oberengadiner Seenplatte hat man von Muottas Muragl aus. Die Standseilbahn bringt die Wanderer bei strahlendem Sonnenschein auf 2456 Meter Höhe. Das Hotel, das der Bergstation angeschlossen ist, produziert mehr Energie als es verbraucht und gilt als erstes „Plusenergie-Hotel“ der Alpen. Oberhalb der Bergstation lässt sich auf einem kurzen Rundweg die genaueste Sonnenuhr der Welt entdecken. Der Panoramaweg führt anschließend um den Schafberg – durch Föhrenwälder und vorbei an knorrigen Lärchenwurzeln. Unterwegs kann man in einer Alm einkehren, die Christian aus Tirol im Sommer bewirtschaftet; auf der Weide grasen Pferde und Ziegen. Am Wegesrand blühen seltene Pflanzen wie Edelweiß und Knabenkraut. Plötzlich ertönen laute Pfiffe; oberhalb des Weges sind Murmeltiere zu erkennen, die ihre Artgenossen vor den Menschen warnen. 

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Der Anstieg auf die Alp Languard zum Abschluss der zweistündigen Wanderung verlangt den Ausflüglern Einiges ab, doch entschädigt im Bergrestaurant eine Brotzeit oder ein Stück Kuchen für die Anstrengung. Mit der Sesselbahn geht es dann wieder ins Tal hinunter nach Pontresina. Dort hält die Rhätische Bahn; die Berninalinie führt von Thusis bis Tirano in Italien und gehört ebenfalls zum Unesco-Welterbe. 

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Am Nachmittag geht es mit der Diavolezza-Luftseilbahn auf 3000 Meter, um das Panorama der Schweizer Alpen zu genießen. Der Ausblick von der Terrasse des Berghauses über den Pers- und Morteratschgletscher, Piz Palü, Piz Bellavista und Piz Bernina, dem mit 4049 Metern höchsten Berg der Ostalpen, ist atemberaubend. Wer noch unternehmungslustig ist, wandert entlang des Sass Queder zur höchstgelegenen Feuerstelle Europas. 

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In Zernez stehen die Besucher des Nationalparkzentrums aufmerksam vor den Schaubildern und Nachbildungen, die über die Entstehung und das Leben im Park informieren. Der Schweizerische Nationalpark ist jetzt hundert Jahre alt geworden. Mit seiner Gründung im Jahre 1914 wollten die damaligen Naturpioniere ein Stück Schweizer Gebirgslandschaft vollständig ihrer Entwicklung überlassen und die sich daraus ergebenden Veränderungen erforschen. Es wurde alles so belassen, wie es vorgefunden wurde. Für Familien ist der Park, zwischen Zernez, S-chanf, Ofenpass und Scuol gelegen, in den Sommermonaten ein Abenteuer- und Entdeckerparadies. Hier richtet sich alles nach der Natur. Der Mensch darf den ältesten Park in den Alpen zwar betreten, aber nur auf den markierten Wegen. Denn der Nationalpark ist ein Rückzugsort für Hunderte von Tier- und Pflanzenarten. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen großen Zoo, doch kann man – wenn man Glück hat – im oberen Bereich des Parks Hirsche, Eichelhäher, Murmeltiere, Steinböcke und Gämsen beobachten. 

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Am Abend steht das glanzvolle St. Moritz im Mittelpunkt. Der Abend wird eingestimmt mit einem Nachtessen im Restaurant „La Baracca“. Die Gäste sitzen dicht gedrängt, die Stimmung ist heiter bis fröhlich. Heute steht ein mexikanisches Menü auf der Speisekarte, das aus Dorsch-Salat, Schweinebraten und Mango-Dessert besteht. Zwei Mexikaner spielen dazu landestypische Weisen. Max Schneider betreibt seit zehn Jahren das Lokal in einer ehemaligen Baubaracke. Er kocht einfache, aber delikate Gerichte. Da „La Baracca“ inzwischen Kultstatus genießt, ist eine Reservierung ratsam. 

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Weiter geht’s zum „Festival da Jazz“, das bereits seit sieben Jahren einen Monat lang veranstaltet wird. Der Dracula's Ghost Riders Club ist beim Konzert von Cassandra Wilson gesteckt voll. Die Karten waren innerhalb weniger Stunden vergriffen. Die Jazzsängerin erntet für die Interpretation ihrer Lieder, die sie zum großen Teil selbst komponiert hat, immer wieder begeisterten Applaus. Präsident Rolf Sachs, ein Sohn von Gunter Sachs, der St. Moritz unter den Reichen berühmt gemacht hat und 1974 den legendären Dracula-Club gegründet hat, wollte mit dem Jazz-Festival die relativ ruhige Zeit im Sommer überbrücken. Internationale Jazzgrößen wie Paolo Conte, Jimmy Cliff und Dave Crusin treten hier auf. Die Musik des Festivals strahlt mittlerweile weit über die Grenzen der Schweiz hinaus und macht es so zu einem Anziehungspunkt von Musikliebhabern aus der ganzen Welt. 

Schweiz, Engadin

Weithin sichtbar thront das Hotel Waldhaus im zehn Kilometer entfernten Sils-Maria auf einer Anhöhe. Seit 1908 und seit fünf Generationen wird der Gast hier verwöhnt. Während das Waldhaus nach außen als imposante Burg auftritt, ist die innere Gestaltung von der Eleganz eines gepflegten und luxuriösen Privathauses geprägt. Das Fünf-Sterne-Hotel strahlt eine Behaglichkeit wie vor hundert Jahren aus – Nostalgie pur. Von jedem Zimmer bietet sich ein herrlicher Blick ins Tal hinab. 
Guide Mario, der in St. Moritz aufgewachsen ist, sagt, dass in dem mondänen Ort auch „gewöhnliche“ Leute Urlaub machen können: „Es gibt eine Jugendherberge, Mittagessen für 12,50 Franken (10,30 Euro). Man muss nur wissen, wo.“ Das aber behält er für sich.

 

Norbert Krauss


Infos


Informationen: Schweiz Tourismus, Tel. 00800/100 200 30, Fax 00800/100 200 31 (beide kostenlos), E-Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.MySwitzerland.com. Tourismusorganisation Engadin St. Moritz, Tel. 00 41/81 830 08-0, www.engadin.stmoritz.ch


Anreise: Mit Auto oder Bahn über Zürich nach St. Moritz. Mit dem Flugzeug von diversen deutschen Flughäfen nach Zürich, von dort mit der Bahn nach St. Moritz.


Unterkunft: Hotel Waldhaus Sils, DZ pro Person mit Halbpension ab 570 Franken (470 Euro), www.waldhaus-sils.ch. Romantik Hotel Muottas Muragl. DZ pro Person mit Frühstück ab 130 Franken (107 Euro), www.muottasmuragl.ch. Berghaus Diavolezza,DZ pro Person mit Halbpension ab 104 Franken (86 Euro), www.diavolezza.ch. Mit der zweiten Übernachtung ist die Benutzung der Bergbahnen für Hotelgäste inklusive.


Restaurant: La Baracca, Tel. 0041/79 270 07 75. Bergrestaurant Alp Languard in Pontresina, Tel. 00 41/79 719 78 10.


Nationalpark: www.nationalpark.ch

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