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Aargau

Unvermutete Gruften, geschichtsträchtige Gemäuer:

Auf den Spuren der Habsburger im Aargau

 Aargau

Bei den Habsburgern, da denkt man gemeinhin an k.u.k., Österreich-Ungarn – an die Region östlich der Alpen eben. Tatsächlich hat das Adelgeschlecht aber auch in der Schweiz historische Furchen hinterlassen – und vor allem beeindruckende Gemäuer. Eine Spurensuche im Aargau.

Von Christian Schreider

Draußen brennt die Sonne, drinnen ist es kühl – wie man es eben so kennt für ein Gotteshaus. Doch eher eiskalt läuft es nicht nur der kleinen Aylin den Rücken runter: Denn vor uns liegt ein Herz begraben. Das Herz von Kaiser Karl dem I. von Österreich. Und zwar nur das Herz, was irgendwie gruselig ist. Und gehört es überhaupt hierher, hier in die Abtei Muri im Aargau? Staunend jedenfalls stehen wir vor der Gruft: Ein Grab eines Habsburgers – hier in der Schweiz?

 Die Habsburger: Da denkt man an Wien, Österreich, Ungarn – überhaupt eher an k.u.k. östlich der Alpen. Tatsächlich aber war das traditionsreiche Herrschergeschlecht ursprünglich mal am Rhein unterwegs – rheinaufwärts vom Elsaß Richtung Süden. Im Schweizer Aargau setzten sich Habsburger um das Jahr 1000 fest – und hinterließen eine eindrucksvolle Riege an Burgen und Schlössern. Also jenen Grund, warum unsere kleine Aylin, elf Jahre jung, aber schon altgediente Ritter-Freundin, unbedingt in den Aargau in Urlaub wollte. Der ist eben ein Eldorado für viele: Familien und Kinder, Heiratswillige und Kostümliebhaber, Adels- und Kunsthistoriker. AargauNicht nur, aber auch hier in Muri, einer der fulminantesten Barockkirchen der Schweiz – und eben eine der bevorzugten Grabstätten der Habsburger. Denn neben dem Herz von Karl I. (es schlug von 1887 bis 1922) sind dort auch die sterblichen Überreste seiner Söhne Rudolf und Felix bestattet.

Als der Habsburger Rudolf I. 1273 zum römisch-deutschen König gewählt wurde, da konnte er schon auf eine rund 300-jährige Geschichte seines Geschlechts zurückblicken. Als wahrer Stammvater der Habsburger gilt Guntram „der Reiche“. Er soll im 10. Jahrhundert gelebt und noch aus dem Elsass gestammt haben. Seit seiner Zeit erwarben die Habsburger große Besitzungen am Oberrhein und im Aargau. Anfang des 11. Jahrhunderts gründeten Guntrams Nachkommen das Benediktinerstift Muri und ließen im Juragebirge die Stammburg der Familie errichten: die „Habichtsburg“ im heutigen Schweizer Kanton Aargau.

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Deren Geschichte ist eine spannende, und Ritter-Fan Aylin ist schon ganz Ohr, als Fremdenführer Franz ins Plaudern kommt: Denn der Sage nach soll einem Ritter bei der Jagd sein abgerichteter Vogel – ein Habicht – entflohen sein. Nach langer Suche ward das Federvieh auf einem strategisch günstig gelegenen Felsen wiedergefunden – wo der Ritter, Radbot sein Name, dann 1030 seine Burg errichten ließ. Die er in Erinnerung daran eben „Habichtsburg“ nannte. Aus „Habichtsburg“ wurde „Habsburg“ – womit der Name über Jahrhunderte hinweg geprägt war – und zwar für eine ganze Herrschaftsdynastie.

Während sich jene Habsburger anschickten, weite Teile Europas und auch der Welt zu erobern, ging ihnen ihr Stammschloss 1415 verloren. Noch heute aber thront es auf unserer Tour durch den Aargau eindrucksvoll auf den Hügeln, wie weitere Habsburger Gemäuer: Wildegg oder Halwyl, das Kloster Königsfelden (mit den wohl feinsten mittelalterlichen Buntglasfenster, die in ganz Europa zu finden sind) oder Lenzburg lauten einige der Ziele.

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Gerade auf Schloss Lenzburg schlummert in den 2,50 Meter dicken Mauern eine bewegte Geschichte. Die reicht so lange zurück wie der Schlossbrunnen tief ist. 51 Meter misst der, berichtet Maria, die Dienstmagd in Original-Uniform – und Original-Kopfhäubchen. „Was meint ihr“, fragt sie in die Runde und gespannte Kinderaugen, „wie lange braucht ein Stein, bis er ganz unten ist?“ Zwei Sekunden lautet der verbreitetste Tipp. Falsch! Geschlagene vier Sekunden dauert es, bis der kleine Brocken unten ist.

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Ein echter Abgrund eben, aber jahrhundertelang lebensnotwendig für die Lenzburger Bewohner. Fließendes Wasser nämlich, so berichtet Maria, gibt es auf das Schloss erst seit rund 1900 – als reiche Amerikaner das Gemäuer übernahmen und erstmals sanitäre Anlagen, Heizung und eben fließendes Nass installierten. Vorher gehörte das Schloss seit 1873 der Familie des Schriftstellers Frank Wedekind, der auch hier zur Schule ging.

Doch die Ursprünge liegen noch viel weiter zurück. 1167 wurde das Schloss erbaut von den Lenzburger Grafen, die enge Bande mit deutschen Herrschern pflegten – nicht nur auf diversen Kreuzzügen. Der letzte Lenzburger Graf war ein enger Freund Kaiser Barbarossas, den er auch als Schloss-Erbe einsetzte. Auf verschlungenen Pfaden kam das Gemäuer dann in die Hände der Habsburger – für die es strategisch wichtig wurde zur Sicherung ihrer Alpenroute, die bis hinunter nach Süditalien langte. Bis ins 15. Jahrhundert pflegten die Habsburger von Lenzburg aus ihre Politik der Machterweiterung – mittels geschickt arrangierter Ehen. Wer in solch historische Fußstapfen treten möchte, könne noch heute auf Schloss Lenzburg den Bund der Ehe schließen, schmunzelt Maria mit einem Augenzwinkern… 

Die Chance, dass ein solcher Bund hält, sind ja zumindest höher als in den (militärisch) unruhigen Zeiten früherer Jahrhunderte. Davon jedenfalls berichtet uns im Wasserschloss Hallwyl – nachdem wir die Zugbrücke überwunden hatten – „Franziska Romana von Hallwyl“. Die historische Gestalt erzählt aus ihrer bewegten Geschichte: Mit 21 wurde sie verwitwet, musste fortan ihre drei Söhne allein großziehen, verlor schließlich mit der Revolution von 1789 auch ihre Adelsprivilegien – „aber ich habe mich dennoch zu arrangieren gewusst!“ Geschichte zum Anfassen gibt es auch auf dem Feldlager hinter dem Gemäuer – „Burgenbau und Verteidigung“ kann dort genauso gelernt werden wie der Lageralltag alter Tage erlebt.

AargauUnd apropos alte Tage: Meist nur ein Feuerzeichen weit entfernt voneinander trohnen im Aargau auch weitere historische Gemäuer. So etwa Schloss Wildegg – 1200 von den Habsburgern gegründet und heute in eine vielfältigen Garten- und Weinbergslandschaft eingebettet. Genau der richtige Platz für eine Rast in schattigem Grün: Wir suchen uns einen der vielen Bäumen – und Aylin lässt die Beine im Springbrunnen baumeln.

AargauuSpringbrunnen wird später dann sowieso zum Wort des Tages. Schokoladen- Springbrunnen, um genau zu sein. Denn wenn der Nachwuchs dann doch genug von den Gemäuern alter Tage hat, wartet eine Belohnung ganz anderer Art für die fleißigen Geschichtsschüler: Nicht weit entfernt in Aarau kann man in der „Frey Schokoladenfabrik“ das süße Naschwerk mit allerlei Zutaten und irgendwie nur denkbaren Verzierungen selber mischen – und schließlich bei der Produktion beobachten.

 Das klang nach Arbeit – naja, ein bisschen. Entspannung ist nach diesem langen Tag dennoch angesagt. Und wer die im Aargau sucht, hat vor allem zwei Top-Adressen zur Auswahl: Das Kurhotel im Park in Bad Schinzach und das Seerose Resort&Spa in Meisterschwanden. Meisterhafte Erholung garantiert – mit viel Geschichtsbewusstsein im Kopf…

 

 

 

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