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Český Krumlov (Krumau)

 

Tschechiens Kultur-Botschaft:

 

Český Krumlov

böhmisch Krumau

Český Krumlov

Wir schreiben das Jahr 1985. Da kommt Jindra Čapek zurück aus Deutschland, wo er 20 Jahre lang gelebt und studiert hat, zurück in seine alte Heimat. Und in die hat ihn sein Heimweh zurückgetrieben.

Noch heute erinnert er sich an graue, kaputte  Fassaden, rauchende Český Krumlov Schonsteine, deren mächtiger Qualm von Český Krumlov, Hotel Convicebilliger Braunkohle im Winter seine Lieblingsstadt in mysthischen Nebel verwandelte, der in den Augen geschmerzt hat. „Und an die vielen Zigeuner erinnere ich mich, die in den engen Altstadtgassen herum- gelungert haben.“ Und dann verbessert er sich schnell. „Verzeihen Sie bitte, ich meine natürlich Roma, wie man heute zu sagen pflegt.“

„Heute bin ich froh darüber,“ sagt dieser junge Mann, der zu den erfolgreichsten Buchillustratoren der Gegenwart gezählt wird und mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt worden ist. „Hätten die Kommunisten seinerzeit das Geld gehabt, dann hätten sie die wunderbaren, schönen Altbauten abgerissen. Pläne hatten sie schon in ihrer vierzigjährigen Regentschaft in den Schubladen liegen.“ Und dann ereifert er sich weiter. „So sollte zum Beispiel auf unserem wunderbaren Hauptplatz Náměstí Svornosti, dem Platz der Eintracht, ein modernes Kaufhaus errichtet werden. Oder die heute meisterhaft restaurierten Paläste und Adelshäuser aus der Zeit der Gotik oder der Renaissance dort drüben auf der Horní Ulice, wo sich auch ihr wunderschönes, kleines Hotel „Konvice“ befindet, sollten für zwei oder dreigeschossige Wohnhäuser einfach abgerissen werden.“ Und dabei hält er sich die Hand vor seine Stirn und schüttelt fassungslos seinen Kopf.

Jindra Čapek

Ich stehe mit diesem begnadeten Künstler, der nicht nur mit dem Pinsel meisterhaft umgehen kann, sondern auch ein talentierter Gitarrenspieler ist, auf seinem großen Balkon hoch oben neben der Schlosstreppe, während seine beiden kleinen Kinder im aufgeblasenen Planschbecken herumtollen. Und wie dann sein kleiner „Dreikäsehoch“ aus dem Planschbecken steigt und seinen Wasserstrahl durch das Stahlgitter auf das darunter liegende Nachbardach schickt, da grinst der stolze Papa schelmisch und wendet sich mir wieder zu.

Da kommt er noch einmal auf die kalten und schneereichen Winter hier zu sprechen und schwärmt mir vor von den filigranen Eisblumen an den Außenscheiben der Doppelfenster. „Und die gibt es heute noch genau so wie früher,“ sagt er mit ernstem Gesicht. Nur dass in der Zwischenzeit sein Český Krumlov bereits 1992 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen worden ist und es heute keine stinkenden Schornsteine mehr gibt und alles sehr sauber ist. Dass es diese Eisblumen in voller Pracht noch heute gibt, liegt daran, dass in einer Altstadt, die in diese UNESCO-Liste aufgenommen worden ist, keine modernen, wärmegedämmtem Mehrscheiben-Isolierglasfenster eingebaut werden dürfen. Eine der weiteren wichtigen Bestimmungen in den Statuten des Weltkulturerbes lautet, dass die Häuser von innen auch so erhalten bleiben müssen, wie sie einst gebaut worden sind. So wurde Rothenburg o.d. Tauber, wie er mir sagt, nicht in diese Liste mit aufgenommen, weil die Häuser dort von innen ausgeschlachtet worden sind und es stehen nur noch die Außenfassaden.

Český Krumlov, Náměstí Svornosti

Und dann kommt er wieder mit traurigen Augen auf seine Puppenstubenaltstadt mit den vielen Läden zu sprechen, die in seinen Augen nur für die vielen Touristen billigen Schmuck und Kitsch verkaufen. Dabei schlägt die UNESCO vor, dass vierzig Prozent der Häuser von Einheimischen bewohnt werden sollten. „Aber hier,“ so der engagierte Bürger, „leben gerade mal 200 Menschen ständig, für die gar keine Infrastruktur vorhanden ist. Da fehlen Metzgereien, Bäckereien, halt eben alles, was man so braucht zum täglichen Leben, was auch so eine Altstadt für die Einheimischen einfach liebenswert macht.“

Český Krumlov

Dabei schauen wir von Jindras Terrasse über die Vltava, die Moldau, hinweg auf die Innenstadt mit ihren hübschen engen, verwinkelten Kopfsteinpflaster-Gässchen. Hier auf dieser Seite das Latrán-Viertel mit dem mächtigen Schloss und seinem weithin sichtbaren, 1590 farbenprächtig bemalten, riesigen Turm. Da befindet sich auf dieser Seite aber auch das einzig noch erhaltene Stadttor, das Budweiser Tor udějovická brána. Oft bin ich in den letzten Tagen von diesem Tor über einen kurzen Anstieg zum Schloss Český Krumlov hinauf  gewandelt, habe einen kurzen Stop eingelegt, um den drei Bären Katharina, Teresa und Wok einen Moment zuzuschauen. Danach weiter spaziert durch die mit Sgraffiti und Fresken kunstvoll bemalten Innenhöfe, um zum dreistöckigen Viadukt zu gelangen. Jedes Mal habe ich mir von dort die mächtigen Felsen angeschaut, die von diesem bedeutendsten Baudenkmal Mitteleuropas senkrecht zur Moldau hin abfallen. Dabei, so hat es mir meine kundige Stadtführerin Dana erzählt,   sind die architektonischen Details dieses faszinierenden Schlossensembles vom 14. bis ins 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Dabei ist dieses gigantische Meisterwerk nur ein paar Quadratmeter kleiner ist als das mächtige Prager Schloss.

Da höre ich aber auch mit Staunen von einem Weltunikat. So gehört zu diesem Schloss im fünften Burghof ein Barock-Theater, „in dem mit der alten Bühnenmechanik und den original uralten Kulissen gearbeitet wird,“ erklärt Dana stolz. „Auch sind noch fast 300 Kostüme aus der Barockzeit im Original erhalten. Dabei glaubt man bei einer Opernaufführung, dass man sich im 18. Jh. befindet, was auch durch die  Kerzenbeleuchtung verstärkt wird.“

Wie sich dieser sonnige Tag dann langsam seinem Ende neigt, da treffe ich vor meinem Hotel Konvice, das zur Vereinigung der „Schlosshotels und Herrenhäuser“ gehört, den Mitbetreiber Kim von Wallbrunn, einen alten Freund. Er sitzt mit einem Glas gekühltem Roséwein in dieser engen Altstadtgasse auf seiner Lieblingsbank gleich neben der Eingangstür seines Restaurants mit dem heimeligen Innenhof und dem Schlossblick. Da genießt er die momentane Ruhe, über Katharina und Kim von Wallbrunndie sich der erziehende Familienvater seiner drei Kinder freut, während seine Frau Katharina das Hotel sowie das Restaurant führt. Dabei kann er auch richtig zuschlagen. So habe ich ihn schon oft in der Schlossschmiede seines Schwiegervaters in Zdikov gesehen, als er dort den rot glühenden Stahl meisterhaft geschmiedet hat.

„Meine tschechische Schwiegermutter,“ erzählt Kim, als er mir ebenfalls ein Glas Wein gebracht hat,  „ist 1990 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ab und an mit ihrem Mann von Passau, wo beide lebten, zu einem Kurzbesuch gekommen. „Dabei ist sie als junges Mädchen, als das damals noch möglich war, als Groupie einer Rockband nach Deutschland gefolgt,“ lacht er. Und dort hat sie auch ihren Mann kennen gelernt und ist mit ihm in Passau geblieben. Und wie sie dann wieder einmal bei einem dieser Besuche hier „eingetrudelt“ sind, wie Kim wieder lachend erzählt, hat es die beiden auf eine Auktion verschlagen, auf der eben dieses Gebäude versteigert wurde.

Und damals war es üblich, dass es wie im ganzen Land - so auch hier - eine heimische Elite gab, die auf alles ihre Hand hielt. So hatte einer dieser Herren auch auf dieses Hausobjekt sein Interesse angemeldet. Nur war er an diesem besagten Versteigerungstag  krank. Und die ganzen „Spezies“, die ab einer gewissen Bieterhöhe nicht mehr mit bieten konnten, weil ihr Finanzrahmen ausgeschöpft war, hatten dann Pech. „Und so sind dann meine Schwiegereltern an dieses heute wunderbare Objekt gekommen.“

Nach umfänglichen Arbeiten der beiden Fleißigen wurde dann nach zwei Jahren zuerst das Lokal und nach weiteren zwei Jahren das Hotel in diesen alten Mauern eröffnet. „Vor zehn Jahren haben dann meine Frau, die Hotellerie in München gelernt hat, und ich dieses „Schatzkästchen“ hier übernommen, nachdem die Schwiegereltern sich einer neuen Herausforderung mit einem Schloss in Zdikov gestellt haben.“ Bis heute haben beide ihre Zusage nicht bereut.

Die Moldau, St.-Veits-Kirche, Český Krumlov.

Wie ich dann an einem der nächsten Tage wie so oft über die Kopfsteinpflaster der sonnendurchfluteten Gassen der Altstadt spaziere, muss ich daran denken, dass fast alle diese Häuser hier nach dem 2. Weltkrieg leer gestanden haben. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten gut 80 Prozent Deutsche in dieser Altstadt gelebt. Und die hat man bis auf ganz wenige Ausnahmen, die Im Wiederstand gegen Nazideutschland waren oder in Mischehen lebten, vertrieben. So entstand ein Vakuum, das durch Menschen von Ostslovenien, von Rumänien und dem Balkan kompensiert worden ist.

Nicht vertrieben, aber mit Schimpf und Schande wurde auch Egon Schiele im Jahre 1911 wegen seiner unflätigen Zeichnungen von jungen Mädchen aus dieser Stadt hinaus gewünscht. Dabei war er gerade mit seiner Lebensgefährtin Wally Neuzil, einem früheren Modell von Gustav Klimt, in seine Geburtsstadt und Heimatstadt seiner Mutter Maria Soukup gezogen und freute sich darüber, endlich nach der Großstadt Wien hier im Freien vor seinem Gartenhaus malen zu können.

Heute ist er ein ehrenvoller Sohn der Stadt, der international zu den führenden europäischen Expressionisten zählt.   So hat man dem damals ungeliebten Maler in einem riesigen, prunkvollen Renaissancekomplex der ehemaligen Stadtbrauerei mitten im Zentrum von Český Krumlov, oder Krumau, wie diese Stadt früher in der böhmischen Sprache hieß, eine ständige, großzügige Ausstellung gewidmet.

Nur einige Gassen weiter  eine Fotogalerie mit ständigen Werken des  international bekannten Prager Fotografen Jan Saudek, dessen jüdischer Vater noch im Februar 1945 ins Ghetto Theresienstadt deportiert wurde und der selbst mit seinem Bruder in einem Lager für „Mischlinge“ im heutigen Polen eingesperrt worden war.

Ende der 1950er Jahre fing er an zu fotografieren. Und weil seine Bilder im Westen einen so großen Erfolg hatten, wurde er von den 60er Jahren an bis zum Fall des Eisernen Vorhangs vom kommunistischen Regime kritisch beobachtet.

In früheren Zeiten wäre es ihm mit seinen verfremdeten Aktfotos hier in dieser Stadt nicht anders gegangen als seinem Künstlerkollegen Egon Schiele. Anders als heute hätte er seine zum Teil eigenartig irreal, nach alten Bildpostkarten kollorierten pikanten Aktaufnahmen mit oft pornographischen Sequenzen von lüsternen Männern und Frauen mit äußerst prallen Körpern sowie hageren blujungen Mädchen  nicht zeigen dürfen.

Paddler auf der Moldau

Lange habe ich noch die Bildwelten dieser magischen Realität vor Augen, als ich schon längst an der Moldau am Wehr bei der Mantelbrücke Plášťový nejvíce angekommen bin. Auch jetzt werden wieder die vielen Schlauchboot- und Kanufahrer von Zuschauern angefeuert, die auf der sicheren Betonmauer stehen. Sportlich sausen diese mutigen Freizeitpaddler die schmale Fischtreppe neben dem Wehr juchzend vor Freude hinunter. Nur eine Flussbiegung weiter dann die nächste Herausforderung mit einer weiteren Wehrschleuse. Da endet für so manchen Paddler die Bootstour erst einmal im quirligen Wasser.

Moldau, unfreiwilliges Bad

Wie dann zwei junge Männer unfreiwillig aus ihrem Boot geschmissen werden und baden gehen, da steht plötzlich Jindra Čapek neben mir. „Wenn meine Kinder mal größer sind, dann werde ich mit ihnen auch hier auf der Moldau mit dem Paddelboot fahren, denn Riverrafting ist hier ein Nationalsport und jeder Moldau-Winkel wird bepaddelt. Aber,“ und da zeigt er auf ein ganzes Pulk von Paddelbooten, „da werde ich nur im Frühling oder Herbst mit ihnen fahren, wenn diese Massen hier verschwunden sind, dann hat es hier eine tolle Stimmung.“

Danach spazieren wir beide über das weitläufige Schlossareal in den prächtigen Barockgarten mit seinem verspielten Kaskadenbrunnen. Gehen weiter und bestaunen im Rokokogarten das kleine Lustschloss Ballerie, vor dem man 1958 für 60 Zuschauer eine drehbare Bühne gebaut hat, die von Soldaten bewegt wurde. Weltweit gibt es das nur noch im finnischen Tampere. So erleben die Zuschauer die Handlung als Panorama vor diesem einmaligen Lustschloss und der Schlossparkfläche von fast einem Hektar. Heute jedoch haben 650 Zuschauer in diesem Drehauditorium Platz. Da hat man den gesamten Aufbau der Zuschauertribüne abgerissen und eine elektrisch drehbare Bühne mit einer mächtigen Kunststoffverkleidung und viel Chromstahl vor dieses einmalige Schlösschen gesetzt.

Český Krumlov, Seerosenteich im Schlossgarten

Wie wir dann weiter gehen und uns auf einer Parkbank an einem mit Seerosen durchzogenen Teich setzen, da macht Jindra seinem Ärger über dieses Monster Luft.

„Damals,“ und da erhebt sich seine Stimme gewaltig, „musste man niemanden fragen, ob man so ein Theater mit einer drehbaren Bühne hier bauen durfte. Da kam so ein großer Parteiabgeordneter und der sagte, jetzt bauen wir das, basta.“ Und nach der Wende wurde dann diese schreckliche, monströse, überdimensionierte  Konstruktion hergestellt, der man auch noch einen Regieraum oben drauf setzte.

"Es sollte eigentlich schon längst beseitigt worden sein nach der Forderung der UNESCO. Diese Stadt ist vor allem durch seine Denkmäler populär geworden und nicht durch diese Karussellbühne. Natürlich ist es schön, bei wunderbarem Wetter sich dort eine Theatervorführung anzuschauen. Aber ich finde, die Priorität sollte das Stadtambiente sein mit diesem wunderschönen Park. Dadurch wird das Gesamtambiente degradiert, auch wenn der berühmte Tenor José Cura in der Hauptrolle „Die Komödianten“ im vergangenen Jahr hier aufgetreten ist."

Lustschloss Bellarie mit drehbarer Zuschauertribüne

„Außerdem ist das Lustschloss, das zu den prächtigsten Rokkoko-Gebäuden in Böhmen zählt, völlig klein gegen dieses Bühnenmonster, wodurch es völlig kaputt gemacht worden ist.“

So findet Jindra die Entscheidung der UNESCO völlig richtig, die verlangt, dass dieses „Monstrum“, wie er sich jetzt ereifert, „dort verschwinden muss. So hat man Krumov eine Frist bis Februar 2013 gestellt. Ich habe allerdings große Zweifel daran, dass unsere Politiker das einsehen, weil es schlichtweg in der Bevölkerung populär ist. Und wenn sie es darauf ankommen lassen, dann droht ihnen das gleiche wie in Dresden, die Aberkennung des Weltkulturerbes.“

Gerd Krauskopf

 

Infos:

Weitere Informationen über die tschechische Republik:

http://www.aufenthaltstitel.de/staaten/tschechien.html

 

Gut gewohnt habe ich im Hotel Konvice:

Horni Ulice 146, 38101 Böhmisch Krumau

http://www.stadthotel-krummau.de/

 

Hotel Konvice in Český Krumlov

 

Hotel Konvice ist Mitglied der Vereinigung von Schlosshotels & Herrenhäuser:

 

Schlosshotels & Herrenhäuser, Austraße 7, 5411 Oberalm bei Salzburg, Österreich

 

Tel: +43 / (0) 62 45 / 90 123

 

E-Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Internet: www.schlosshotels.co.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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